30. September 2020

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Deutsche Amateur-Meisterschaften Vielseitigkeit in Langenhagen: Titel für Sonja Buck

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Langenhagen (fn-press). Die neuen Deutsche Amateur-Meister in der Vielseitigkeit heißen Sonja Buck und Carla Bruni R. Bereits zum vierten Mal wurde der Titel im Rahmen der internationalen Drei-Sterne-Vielseitigkeit CCI3*-S in Langenhagen-Twenge vergeben. Silber ging an die Meisterin von 2018, Simone Boie mit Scotch, auf dem Bronzerang landete Aline Stahn mit Callas.

„Das ist voll schön“, freute sich Sonja Buck über ihren Erfolg. Es war ihr erster Start in Langenhagen und die Deutsche Amateur-Meisterschaft einer der Gründe für die weite Anreise aus dem heimischen Pfalzgrafenweiler in Baden-Württemberg. „Es ist schon toll, dass die Amateure mal Beachtung finden, denn wir reiten ja nicht so viele Pferde wie die Profis, haben daher auch nicht auch nicht so viel Routine“, sagte sie, räumte aber auch ein, dass es ihr mittelfristiges Ziel sei, an den Deutschen Meisterschaften teilzunehmen. „Ich bin ja früher auch Deutsche Meisterschaften und Europameisterschaften geritten“, erinnerte die ehemalige U21-Mannschaftseuropameisterin und Einzel-Bronzemedaillengewinnerin. Für den längerfristigen Übergang ins Seniorenlager war ihr ehemalige Erfolgspferd Ohio allerdings zu alt. Für die heute 30-Jährige bedeutete das, mit jungen Pferden neu anzufangen – parallel zu ihrer Arbeit als Entwicklungsingenieurin. Bei einem weltweit bekannten baden-württembergischen Automobilunternehmen arbeitet die studierte Mathematikerin im Bereich autonomes und hochautomatisiertes Fahren. „Es macht total viel Spaß, junge Pferde auszubilden, aber ich freue mich auch darauf, wieder weiter oben anknüpfen zu können.“ Dafür hat sie inzwischen gleich zwei Pferde unter dem Sattel. Ihr zehnjähriges „Goldpferd“ Carla Bruni R, eine Oldenburger Stute von Cantoblanco aus der Zucht von Udo Renz, reitet sie seit dreijährig. 2019 bestritten die beiden ihre erste Vier-Sterne-Prüfung, in diesem Jahr waren sie auf Zwei- und Drei-Sterne-Niveau unterwegs und immer unter den ersten drei. „Nach Langenhagen ist jetzt der Plan, dass Carla Pause hat – allein schon deswegen, weil ich keinen Urlaub mehr habe“, erklärte sie. Dafür hat sich ein neues Ziel aufgetan: Ihr Nachwuchspferd, die siebenjährige Holsteinerin Dorotheenhof’s Canela (v. Cormint), die sich ebenfalls im Besitz von Udo Renz befindet, soll in diesem noch an den Weltmeisterschaften der Jungen Vielseitigkeitspferde in Le-Lion d’Angers an den Start gehen – auch auf Anraten von Bundestrainer Hans Melzer. Im vergangenen Jahr wurden die beiden Bundeschampion in Warendorf, in Langenhagen wurde die jüngere Stute nun Zweite hinter ihrer erfahreneren Stallgenossin Carla Bruni R.

Bevor Sonja Buck sich in Langenhagen allerdings so richtig über ihre guten Leistungen und ihren Doppelerfolg freuen konnte, musste zunächst ein Missverständnis ausgeräumt werden. Gleich zwei Mal war ihr eine sogenannten Missed Flag, das nicht ganz korrekte Überspringen einer Ecke, angekreidet worden. „Ich hatte in beiden Fällen ein super Gefühl. Zum Glück gab es auch unabhängige Zeugen, die das bestätigen konnten“, sagte sie. Damit stand dem Sieg in der zweiten Abteilung des CCI3*-S und zugleich dem Deutschen Meistertitel nichts mehr im Weg. Dank ihrer Nullrunden im Springen und Gelände blieb es für Sonja Buck und Carla Bruni R beim Dressurergebnis von 29,9 Minuspunkten, für Dorotheenhof’s Canela kamen auf dieselbe Weise 31,7 Minuspunkte zusammen – Platz zwei.

Den zweiten Podestplatz der Deutschen Amateur-Meisterschaft durfte allerdings Simone Boie besteigen, die damit nun einen kompletten DAM-Medaillensatz ihr eigen nennen kann. Bei der Premiere 2017 gewann sie Bronze, 2018 folgte Gold und nun die Silbermedaille. „Ich freue mich riesig. Die DAM war schon ein großer Anreiz hierher zu fahren“, sagte die Industriekauffrau aus Hünxe. Für sie und ihren 13-jährigen Oldenburger Scotch (v. Solos Landtinos) war Langenhagen erst der zweite Start in einer Vielseitigkeitsprüfung in diesem Jahr. Nach der Dressur lagen die beiden noch in Führung, im Parcours unterlief dem bereits bis S-Springen erfolgreichen Scotch ein Abwurf. „Da muss er was gesehen haben, machte sich ganz rund und war zu langsam im Vorderbein. Eigentlich völlig untypisch für ihn“, sagte Simone Boie. Im Gelände kamen einige wenige Zeitstrafpunkte hinzu. Endstand 34,7 Minuspunkte. „Das Gelände war schon etwas ‚dicker‘ als sonst und es gab auch eine andere Streckenführung. Das hat Spaß gemacht, mal was Neues zu reiten“, sagte sie. Auch Simone Boie kennt ihren Scotch. seit er dreijährig ist und hat ihn selbst im wahrsten Sinne des Wortes vielseitig ausgebildet. „In diesem Jahr haben wir schon M-Dressur gewonnen und waren drei Mal in M-Springen platziert“, berichtete die Trägerin des Goldenen Reitabzeichens. „Und wir haben an der Qualifikation für das Quadrillenchampionat in Aachen teilgenommen. Beim Üben war er anfangs noch etwas kribbelig, fand seine Mitstreiter dann aber ganz toll“, schilderte sie. Für 2021 hat sich die 29-Jährige ein weiteres Ziel gesetzt: die Europameisterschaften der Ländlichen Reiter. „Eigentlich war ich letztes Jahr schon nominiert, musste aber verletzungsbedingt kurzfristig absagen. Jetzt hoffe ich, dass es nächstes Jahr klappt.“

Bei der EM in Westerstede dabei und dort sogar im Goldteam waren Aline Stahn aus Espenau bei Kassel und ihre 15-jährigen Hannoveraner Stute Callas v. Chico’s Boy („Die Diva im Stall“). Bei den DAM in Langenhagen gehörte die frisch gebackene Lehrerin (Mathematik, Arbeitslehre, Sport) zu den fünf Amateuren, die den Kurs ohne Zeit- und Hindernisfehlern bewältigten. Zusammen mit den Ergebnissen aus Dressur und Springen ergab sich ein Endstand von 34,8 Minuspunkten und damit die Bronzemedaille für das Paar, das sportlich auf dem hessischen Gut Waitzrodt zu Hause ist. Besitzer ihres Pferdes ist Gerhard Fröhlich, bekannt als langjähriger Sponsor des Vielseitigkeitssports.

Auch auf dem vierten Platz landete mit Friederike Paradies aus Düsseldorf eine weitere Teilnehmerin der EM der Ländlichen Vielseitigkeitsreiter. Anders als in Westerstede saß sie nun im Sattel der zwölfjährigen Westfalenstute Checkevina (v. Chequille). Auch sie blieb im Gelände fehlerfrei und hätte ohne die beiden Abwürfe im vorangegangenen Springen sogar den Sieg davontragen können. (37,1 Minuspunkte). Nicht zu einer Medaille reichte es in diesem Jahr auch für den Vorjahres-Zweiten Dr. Marc Dahlkamp (Selm). Der Tierarzt und sein gezogener Westfale Lege Artis wurden Sechste (37,5 Minuspunkte). Dasselbe gilt für Titelverteidiger Christian Gärtner aus dem sächsischen Horka. Er war mit seiner DSP-Stute Namibia zwar der Schnellste im Gelände, musste sich aufgrund des Dressur- und Springergebnisses mit Platz neun begnügen.

Der Sieg in der ersten Abteilung der CCI3*-S ging an Stefanie Leube mit ihrem siebenjährige Trakehner Sweetwater’s Ziethen TSF (v. Abendtanz), den Titel des Hannoverschen Landesmeisters sicherte sich Andreas Dibowski (Döhle) mit San Aurelio. Den Sonderpreis im Rahmen des U25-Förderpreises Vielseitigkeit – Langenhagen war die vorletzte Station der Serie in diese Jahr – ging an Greta Busacker (Münster) mit Scrabble.

Neben der Drei-Sterne-Prüfung mit ihren beiden Abteilungen war der Verein für Vielseitigkeitsreiterei Langenhagen auch Ausrichter einer Zwei-Sterne-Prüfung (CCI2*-S). Als Sieger der beiden Abteilungen gingen dabei Kaya Thomsen (Lindewitt) mit dem Holsteiners Horseware’s Barny, Olympiapferd ihres Vaters Peter Thomsen bei den Olympischen Spielen 2012, bei den U21-Reitern sowie die Schwedin Louise Romeike (Nübbel) mit der Holsteiner Stute Feline hervor.

„Es war die dritte Veranstaltung auf diesem Niveau in diesem Jahr in Deutschland. Wir sind dem Veranstalter, dem Verein für Vielseitigkeit Langenhagen, sehr dankbar, dass wir hier kurzfristig zum vierten Mal die Deutschen Amateur-Meisterschaften austragen konnten. Die Bedingungen und der Boden waren top. Das wissen auch die Reiter, was man ja auch am Nennungsergebnis erkennen kann“, sagte Bundestrainer Hans Melzer.

Alle Ergebnisse: www.rechenstelle.de

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