20. Oktober 2020

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DM Luhmühlen: Ingrid Klimke bleibt nach Gelände in Führung

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Luhmühlen (fn-press). Eine Geländeprüfung mit vielen Überraschungen bot die Deutsche Meisterschaft in Luhmühlen. Zwar konnte sich Ingrid Klimke an der Spitze behaupten, allerdings mischte sich die Rangierung ziemlich durcheinander.

Mit gleich drei Pferden bewirbt sich Ingrid Klimke in diesem Jahr um den deutschen Meistertitel. Allerdings ist es nicht ihr EM-Champion SAP Hale-Bob OLD, mit dem sie das beste Dressurergebnis erzielte, der nach dem Gelände an der Spitze steht, sondern ihre Vorjahres-Vizemeisterin SAP Asha P, mit der sie am Sonntag im Springen nach dem Titel greifen will. „Asha war heute völlig souverän, sie hat jeden Weg gesucht, es war ein absoluter Traum“, sagte sie. Das Paar bewältige den anspruchsvollen DM-Kurs ohne Hindernisfehler und mit fünf Sekunden über der erlaubten Zeit. Klimke: „Sie ist das Pferd der Zukunft, aber Siena wächst da auch rein.“ Für Klimkes Nachwuchspferd, die achtjährige Westfalenstute Equistros Siena just do it, war Luhmühlen die erste Vier-Sterne-Prüfung überhaupt. „Dafür war es wirklich sensationell, aber für sie auch eine große Herausforderung. Sie ist sehr vorsichtig und hat ein wahnsinniges Vermögen. Die Hecken sprang sie am Anfang gewaltig, da hat sie sich fast verausgabt und musste zwischendurch mal abschlucken. Aber sie hat heute viel gelernt und ist immer besser geworden. Sie hat es super nach Hause gebracht.“ Es blieb bei ein paar Zeitstrafpunkten und 32,5 Minuspunkten (Platz fünf in der internationalen und Platz vier in der DM-Wertung).

Für eine Überraschung sorgte SAP Hale-Bob OLD, der für das Auslösen eines Sicherheitshindernisses 11 Strafpunkte kassierte. „Bobby hat mich total damit überrascht, dass er im letzten Moment so ins Wasser geguckt hat. Ich glaube er hat sich daran erinnert, als er zum ersten Mal hier in Luhmühlen war. Da gab es im Jeep-Teich einen Sprinkler im Wasser, da haben viele Pferde angehalten und Bobby wollte gar nicht ins Wasser. Seitdem weiß ich, ich muss immer gut zum Wasser hinreiten, mit Attacke. Heute hätte ich den Bogen größer reiten müssen. Ich dachte, nach dem Ritt mit Siena, könnte ich mich bei Bobby jetzt entspannt zurücklehnen. Da habe ich meinen Einsatz verpasst. Er schaute ins Wasser und dann hat das MIM-System ausgelöst“, schilderte Ingrid Klimke, was passiert war. Mit 38,8 Minuspunkten fielen die beiden auf Platz neun der DM-Wertung zurück.

Ebenfalls keine Medaillenhoffnungen mehr hat Michael Jung, nach der Dressur noch Zweiter. Ein leichter Rumpler an Hindernis 16c brachte seinen Hannoveraner fischerChipmunk FRH etwas aus der Balance, so dass sich Jung dafür entschied, eine Volte zu reiten und das Hindernis erneut anzureiten, statt es auf direktem Weg in Richtung 16D zu versuchen. Das allerdings kostete 20 Strafpunkte „Es war ein bisschen eine knifflige Linie, von den Distanzen her. Ich hatte mich bewusst für den Weg entschieden, das hat nicht ganz geklappt. Trotzdem war es für ihn ein guter Lerneffekt. Es war ja jetzt nicht so, dass wir einen Vorbeiläufer oder Steher hatten, im Gegenteil. Ich hatte durch die ganze Runde ein gutes Gefühl. Er war mutig, er war sehr gut zu reiten, ist immer gut auf der Linie geblieben, schräg gesprungen und alles ohne Probleme. Ich bin trotzdem sehr zufrieden, das Ergebnis ist natürlich ärgerlich“, sagte Jung. Mit 51,9 Minuspunkten belegt er Platz 15 in der DM-Wertung vor dem Springen.

Auf den Silberrang – und wenn dies laut Reglement möglich wäre – sogar auch auf den Bronzerang rückte stattdessen Sandra Auffarth (Ganderkesee) vor, die mit ihren Pferden Viamant du Matz und Let’s Dance das Gelände schnell und fehlerfrei bewältigte – Viamant du Matz als Einziger sogar ohne Zeitfehler. „Es ist ein toller Kurs gewesen, wo man sich wirklich konzentrieren musste, mit ganz vielen schmalen Sprüngen und Aufgaben, es gab nicht eine spezielle Klippe. Das macht so einen Kurs so anspruchsvoll“, sagte Sandra Auffarth. „Was ich so toll finde, dass beide Pferde, auch wenn der eine mal etwas flotter war als ich wollte und der andere mal einen Galoppsprung mehr gemacht hat, als ich wollte, immer auf Spur waren und immer die Fahnen gesucht haben. Das macht als Reiter richtig Spaß, von oben zu fühlen: Die wollen!“ Ins Springen nimmt sie 26,6 Minuspunkte mit Viamant du Matz beziehungsweise 28,7 Minuspunkte mit Let’s Dance mit.

Auf dem Weg zu ihrer ersten DM-Medaille ist Sophie Leube aus Hamm. Die 33-jährige Berufsreiterin, eine ehemalige Schülerin von Ingrid Klimke, war mit der in Bayern gezogenen Stute Jadore Moi nach Dressur noch Neunte. Die Geländeprüfung beendete sie mit nur wenigen Zeitfehlern (33,7). „Ich habe überhaupt nicht damit gerechnet, heute so weit vorne zu stehen. Aber ich habe ein phantastisches Pferd, sie hat mir heute auch das ein oder andere Mal aus der Patsche geholfen. Es war schon schwerer als das, was wir bisher geritten sind. Ich wollte einfach nur eine schöne, sichere, aber auch schnelle Runde reiten. Ich bin glücklich, dass es so geklappt hat.“ Ihr angesagtes Ziel fürs Springen: Eine sichere, fehlerfreie Runde reiten und mit der eigenen Leistung zufrieden sein.

Allerdings ist auch im Parcours noch alles offen, denn das Feld liegt auf den folgenden Plätzen dicht beieinander. So steht Anna Katharina Vogel (Biessenhofen) mit Quintana P, 2019 jüngste deutsche EM-Teilnehmerin und aktuell führende im U25-Förderpreis Vielseitigkeit, mit 34,4 Minuspunkten auf Platz sechs der DM-Wertung und auch Felix Etzel (Warendorf) mit Bandit (34,6) und Anna Siemer (Salzhausen) mit FRH Butts Avondale (35,3) liegen noch in Schlagdistanz auf eine Medaille. Hb

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