25. Juli 2021

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RC Passin: Einsteller – Pächter – So geht unfriedlich

Reitturnier Passin. (Foto: Begall)

Reitturnier Passin. (Foto: Begall)

Es ist mehr los gewesen in Passin, als es den Bewohnern des beschaulichen Dorfes, der nächstgelegenen Polizeidienststelle, dem RC Passin und dem Pächter der Reitanlage lieb sein kann. Ganz im Gegenteil, die “Fronten” sind verhärtet, Ärger und Enttäuschung groß und es sieht nicht so aus, als ob alsbald Frieden einkehrt. Zu allem Überfluss brannte auch noch ein Strohlager auf der Reitanlage, Menschen oder Pferde kamen dabei glücklicherweise nicht zu Schaden.

Der Reiterhof Passin ist weit über Mecklenburg-Vorpommern hinaus bekannt. Herbert und Renate Herzog haben die Anlage mit Herzblut, Liebe zum Detail und Pragmatismus zu einem echten Schmuckstück ausgebaut. Ohne Schnick-Schnack, aber mit allem, was man für Pferdehaltung und Sport benötigt. Etliche Veranstaltungen fanden dort statt, Holger Wulschner war jahrelang auf der Anlage zuhause, nach ihm auch Matthias Granzow und der RC Passin schätzte die Vorzüge der Anlage. Im Jahr 2013 verkaufte Renate Herzog die Anlage an einen niedersächsischen Käufer, Björn Wilhelms. Etliche Mitglieder des RC Passin hatten ihre Pferde als Einsteller auf der Anlage untergebracht. Damit ist Schluss, seit Oktober und zwar ziemlich plötzlich.

Wilhelms hat die Anlage seit dem 1. Oktober an Hartmut Mostek verpachtet. Der gebürtige Rüganer Mostek ist Agrarexperte, hat mehrere Firmen gegründet und ist aktuell Inhaber der LinbecAgrar GmbH, die sich u.a. mit nachhaltiger Landwirtschaft und Futterergänzungsmitten beschäftigt. Gemeinsam mit Ehefrau Kerstin und der Tochter möchte Mostek die Anlage modernisieren und ausbauen. Das Ehepaar züchtet Pferde, hat einst eine Hengststation in Satow betrieben und auch Ende der 90-er Jahre eine Landesmeisterschaft in Hirschburg organisiert.

Seit der Übernahme der Anlage “flogen die Fetzen”. Einsteller, Angestellte, Pächter streiten seither. Vereinzelt führte das bereits zu Polizeieinsätzen. “Das ist kein Ort mehr, an dem man sich wohlfühlen, geschweige denn seine Pferde beruhigt einstellen kann,” bedauert eine ehemalige Einstellerin die Situation. Einzelne Tonmitschnitte (liegen der Autorin vor) belegen, das Lautstärke und Wortwahl der Auseinandersetzungen eine hohe Eskalationsstufe erreicht haben.

“Mobbing und Agression”

Eine ganze Reihe ehemaliger Einsteller und Einstellerinnen äußerten sich zur Entwicklung, haben jedoch auch Sorge, ihren Namen zu lesen. “Mir wurde sogar im Beisein der Polizei Besuch in meinem Garten angedroht”, erklärte eine ehemalige Einstellerin, die sich um einen schnellen Termin für die Herausgabe der Hindernisse bemüht hatte. Selbige seien Eigentum des Reitclubs gewesen. Übergriffiges und agressives Verhalten werfen die ehemaligen Kunden dem neuen Pächter vor. Laut, schnell beleidigend agiere er und dabei berücksichtige der Pächter auch die Anwesenheit von Kindern nicht. Im ganzen Dorf gebe es Ohrenzeugen für die Wutausbrüche von Hartmut Mostek, dessen Ehefrau und Tochter niemals in solchen Situationen eingegriffen hätten.

Sehr schnell setzte in der Folge ein wahrer Exodus ein, man fühlte sich gemobbt – so der einhellige Tenor und insbesondere Kinder und Jugendliche wolle man einer solchen Situation nicht aussetzen. Mittendrin die Polizei, die wiederkehrend bei Konflikten gerufen wurde und mehrere Einsätze auf dem Reiterhof bestätigt hat. Mißfallen habe auch die Beobachtung eines Vorfalles erregt, bei dem eine Einstellerin “am Po buchstäblich durch den Pächter begrabscht worden sei”. Aktuell, so ließ Mostek telefonisch zwischenzeitlich wissen, werde in dieser Angelegenheit ermittelt. Entsetzt haben ehemalige Einsteller registriert, dass dem langjährigen Ausbilder und Mitarbeiter Hartmut Ross grundlos ein Hofverbot erteilt wurde.

Mitarbeiter erhielt Hofverbot

Ross selbst ist “mit dem Thema durch” wie er es ausdrückt, er habe sich eine neue Beschäftigung gesucht. Traurig stimmt die Situation auch Renate Herzog, die nach wie vor in den Ferien und an Feiertagen ein Haus in der Nachbarschaft des Reiterhofes bewohnt und auch für ihr Pferd einen anderen, nahe gelegenen Stall gefunden hat. Mit dem Verkauf der Anlage verband sich die Hoffnung, dass Hof und Angestellte weiter wachsen, bzw. beschäftigt werden können. Das sei nicht so eingetreten wie erwartet, doch der große Einsatz der Mitarbeiter und der Stallgemeinschaft habe dafür gesorgt, dass trotz erheblicher Defizite der Betrieb auf der Anlage aufrecht erhalten werden konnte.

Unwahrheiten und Rufschädigung

Kerstin und Hartmut Mostek, die Pächter, erlebten die Situation nicht einen Deut weniger belastend. “Provokationen, Lügen, Anschuldigungen”, beklagt Kerstin Mostek. Warum Konflikte so derartig eskalierten, kann sich die Agrarfachfrau nicht gänzlich erklären. Deutlich erkennbar ist bei der Mostek jedoch genauso wie bei den ehemaligen Einstellern, dass die Situation an den Nerven zehrt und belastet. 

Das Ehepaar fühlt sich –  auch wenn Streitigkeiten bisweilen lauter als notwendig ausfielen – seinerseits gemobbt und zu Unrecht beschuldigt. Kaum sei bekannt geworden, dass man die Anlage gepachtet habe, sei der Ärger los gegangen. “Aushänge und Informationen von uns wurden abgerissen”, so Kerstin Mostek. Die späte und unzureichende Information der Einsteller durch den Eigentümer in Niedersachsen hat das Ehepaar nicht zu verantworten. Beide können sich die unvermittelte Eskalation, das “Kippen” der Stimmung nicht schlüssig erklären, wie sie betonen.

“Ich habe ja schon ein Pferd dort eingestellt, bevor wir uns entschlossen haben, die Anlage zu pachten”, so Kerstin Mostek, “und ich hatte nicht den Eindruck, dass die Einsteller sehr bemüht waren, die Anlage in Ordnung zu halten.” Als das Ehepaar angekündigt habe, die Weideflächen umbrechen zu wollen, sei das von den Einstellern vehement abgelehnt worden, weil damit Paddockflächen nicht mehr zur Verfügung stünden: “Aber die Flächen müssen doch aufbereitet werden, wenn sie jahrelang nicht ausreichend gepflegt und aufgefrischt wurden.”

Kommunikation gestört

Hartmut Mostek betont, er habe mehrfach versucht, mit dem Vereinsvorsitzenden Hans-Joachim Begall ins Gespräch zu kommen: “Das hat nie funktioniert, er ist ausgewichen oder hat mich stehen gelassen.” Auch die Mitarbeiter hat Hartmut Mostek nicht “loyal” erlebt, im Gegenteil. Zwei Einstellerinnen sind dem Pächterehepaar geblieben und diese hätten eine etwas andere Sicht auf die Dinge. So habe man Kerstin Mostek auch von zwangsläufig mit gehörten Gesprächen auf der Stallgasse berichtet, bei denen Provokationen gegenüber dem Pächterehepaar Mostek verabredet worden seien.

Eigentlich haben Hartmut und Kerstin Mostek und die erwachsene Tochter viel vor – “die Anlage wieder modernisieren und zu einem Schmuckstück machen, die Basis dafür ist traumhaft”. Die Tochter habe Interesse daran, den Betrieb dann später weiter zu führen. Hartmut Mostek will alte Konflikte als Triebfeder der Eskalation nicht ausschließen. “Das ist alles gar nicht meine Liga”, sagt der Agrarexperte und verweist auf berufliche Projekte internationalen Zuschnitts, die ihn aktuell in Anspruch nehmen. Neider und Anfeindungen hätte er schon gehabt, als er die Hengststation in Satow mit Böckmann-Hengsten betrieben habe, enttäuscht sei er auch, weil es einst ein freundschaftliches Verhältnis zur Familie Herzog gegeben habe. 

Offenbar unlösbar

Traumhaftes Dorfleben? Nein, danach klingt es überhaupt nicht im Umfeld des Reiterhofes Passin. Leidtragende sind dabei de facto alle – der Reitclub Passin und die ehemaligen Einstaller, die sich zumindest die Frage stellen müssen, ob sie eventuell auch zur Begleichung “alter Rechnungen” benutzt wurden. Hartmut und Kerstin Mostek, weil sie zwar Pläne schmieden, aber ihr Konfliktlösungspotential wohl deutlich überschätzt haben. Renate Herzog und ihre Familie, weil es schmerzhaft sein muss, zu erleben, dass das was einst mit Mühe und Ideenreichtum aufgebaut wurde, buchstäblich zerbröselt. Und alle zusammen weil keiner und keine wirkliche Vorteile aus der Situation zieht. Schade. Frustrierend. Zeitraubend. Martina Brüske

(Erschienen Ausgabe 12-2020 Mecklenburger Pferde, aktualisiert 24.12.2020)

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