13. April 2021

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Dementi – CES Calencia wehrt sich gegen Vorwürfe

Symbolbild Viren. Foto: Kalhh:pixabay

Symbolbild Viren. Foto: Kalhh:pixabay

 (Valencia) “Schwerwiegende und unwahre Behauptungen” durch Mike Patrick Leichle, Axel Milkau und Hilmar Meyer –  so wehren sich die Veranstalterinnen Charo Torregrosa und Charo Ortells Torregrosa. Alarmiert von der Berichterstattung in “deutschen Medien” reagierten die Veranstalterinnen der CES Valencia Tour am 9. März mit einer Stellungnahme und lasten speziell den beiden Reitern fehlgeleitetes Verhalten an. Es nicht richtig, dass die Organisatorinnen seit Anfang Februar von einem Infektionsausbruch gewusst und diesen aus finanziellen Gründen verheimlicht hätten.

Dieser Vorwurf entbehre jeglicher Grundlage. Ortells Torregrosa: “Zum Stand 07.03.2021 sind nach Angaben der Tierärzte von den 160 Pferden, die sich in der CES-Anlage befanden, zwei Pferde im CES gestorben, zwei in der Klinik CEU Cardenal Herrera in Valencia und eins in der Klinik de Barcelona, in das es verlegt werden musste. Und von den Pferden, die am Sonntag (21. Februar) abgereist sind  – obwohl sie von der Organisation gewarnt worden waren – stets auf eigene Verantwortung handelnd und wohl wissend, dass es besser gewesen wäre, dies nicht zu tun und schriftlich und verbindlich ihren Bestimmungsort anzugeben, damit sie sie notfalls kontrollieren konnten, sind zwei gestorben – eins in Bilbao und eins in Barcelona.” 

“Nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt”

Demnach habe es also keine zehn toten Pferde bis zum 4. März gegeben. Des weiteren stellt Ortells klar, das Turnierleitung und Tierärzte erst am Morgen des Samstag, 20. Februar, von einem französischen Reiter über den Zustand von Pferden informiert wurden, der “alle in Alarmbereitschaft versetzt” habe. 

“Die Organisation möchte betonen, dass sie jederzeit nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt hat, indem sie zuerst an die Pferde dachte und die Richtlinien der Tierärzte, der Verbände und des Landwirtschaftsministeriums befolgte. Diese Entscheidungen mussten zwingend von allen Reitern akzeptiert werden, und einige haben es nicht einfach gemacht,” so Ortells weiter. Alle Reiterinnen und Reiter, die ab dem 22. Februar anreisen wollten, seien am gleichen Tag informiert worden, zudem auch die Veranstalter anderer Turniertouren. All das, um zu warnen und Gegenmaßnahmen möglich zu machen. Übrigens liefen die Prüfungen in Valencia derweil auch am Sonntag noch ein bißchen weiter wie die Kolleginnen von worldofshowjumping.com recherchiert haben. 

Lausanne listet Daten auf

Tatsächlich ließ auch die FEI (Lausanne) in einer Mail an das Magazin “Mecklenburger Pferde” wissen, dass das FEI Veterinary Department am Nachmittag des 20. Februars durch den verantwortlichen Tierarzt in Valencia über 20 (!)  fiebernde Pferde auf dem CES-Gelände in Valencia informiert worden sei. Am gleichen Tag traf in Lausanne die Nachricht über vier Fälle von Verdacht auf Equine Herpes Virus (EHV-1) bei Pferden ein, die den Veranstaltungsort in Valencia am 14. Februar verlassen hatten und kurz nach ihrer Rückkehr in ihr Heimatland krank wurden. Mindestens eines dieser Pferde zeigte neurologische Symptome, läßt Shannon Gibbons, (FEI Media-Relations) wissen. Daraufhin seien Veranstalter und FEI-Officials darüber informiert worden, die Veranstaltung sofort abzubrechen, ebenso seien die anderen spanischen Veranstalter informiert worden. Betroffen sein können rund 700 Pferde, also jene die in Valencia zwischen dem 1. und 20. Februar eingestallt waren, bzw. Pferde zu denen innerhalb dieses Zeitraums Kontakt bestand. Am 26. Februar starb das erste Pferd an den Folgen der Erkrankung, bis zum 9. März aktuell sind es nach Angaben des Weltverbandes zehn tote Pferde.

Am 28. Februar schließlich traf FEI Veterinary Manager Goncalo Paixao in Valencia ein, seit dem 4. März ist auch FEI Showjumping Director Marco Fusté vor Ort.

Veranstalterinnen eindeutig empört

In vielen, langen Sätzen verteidigt sich die Familie Ortells Torregrosa. “Das CES stellt den Reitern nichts für den Aufenthalt in Rechnung, die Kosten für die Versorgung werden angepasst und zu den Turnierkosten hinzugefügt. Reinigungs- und Wartungspersonal, Lagerpersonal, die Bewachung, der Wasser- und Stromverbrauch wurden übernommen, der Cafeteria-Service aufrechterhalten ohne irgendwelche Einnahmen.” Auch halte man Futter und Einstreu vor. Charo Ortells sei persönlich 70 Kilometer mit ihrem Auto herumgefahren, um für 3000 Euro notwendige Medikamente für die Pferde – auch solche von Hilmar Meyer – zu kaufen. Die explizite Kritik der deutschen Reiter weist die Familie entschieden zurück, kritisiert, dass Meyer sich geweigert habe, positiv getestete aber asymptomatische Pferde von solchen mit Symptomen zu trennen “weil das bequemer für die Pfleger” sei und das Mike Patrick Leichle Probleme verursache, statt sie zu lösen, weil er u.a. eine Lagerhalle die Fremdeigentum sei, mit Boxenbau belege, die Größe gelieferter Boxen kritisiere und “Meutereien” anzettele, wenn Dinge nicht so gehandhabt würden wie er es vorschlage. Ortells: “Mit ihm ist also alles ein Problem.” Zumindest darin ist man sich einig – die jeweils “andere Seite” ist das Problem. Bereits am 25. Februar allerdings protokolliert die FEI in Lausanne einen Hilferuf von betroffenen Reitern, das liest sich so: “ Die FEI wurde von Athleten in Valencia darauf aufmerksam gemacht, dass sich die Bedingungen vor Ort verschlechtert hatten und sie dringend Hilfe benötigten, einschließlich Arzneimittel für die kranken Pferde.” Der Hilferuf mag der Besorgnis geschuldet sein, wirft allerdings ein etwas weniger gleißendes Licht auf die zitierten Bemühungen der Veranstalter vor Ort.

Vermittler: Carl Walter Fox

Der schwedische Springreiter hat längst die Rolle als Sprecher und Koordinator der Reiterinnen und Reiter auf dem Gelände übernommen und entlastet damit jene, die im Pferdesportzentrum die Versorgung und Pflege der an EHV1 (Herpes) erkrankten Pferde garantieren. 

“Im Mittelpunkt steht immer die Behandlung der Pferde”, erklärt Fox ganz ruhig in einem Telefonat am 7. März und räumt indirekt ein, sich in heikler Mission zu bewegen: “Ich befinde mich in einer neuen Rolle – versuche ausgleichend zu wirken, denn ich tue alles, damit wir die Pferde optimal versorgen können.” Man könnte das so interpretieren, dass er Kritik auch mal “runterschluckt” und stattdessen Möglichkeiten kalkuliert, viel zu erreichen.  Denn Carl Walter Fox verteilt keine explizite Kritik in irgendeine Richtung in diesem Telefonat. Was er aber sagt, ist dies: “Wir brauchen unbedingt eine sehr genau Untersuchung aller Umstände, die zu dieser Situation geführt haben. Auch um zu lernen, wie das künftig zu vermeiden ist.” Das ist weder Schuldzuweisung, noch klingt es nach Absolution. Entscheidender, als der 20. Februar mit der Meldung an die FEI oder die Antwort auf die Frage, wer “Patient Null” gewesen ist, dürften die sieben bis zwölf Tage davor gewesen sein, der Informationsfluss aus und in den Stallzelten – denn dort ist die Welt bekanntlich ein Dorf, in dem jede/r alles weiß. Und die Erfahrung und Umsicht des FEI-Tierarztes und des Turniertierarztes. Entscheidend ist auch nicht, ob es einen Fehler gab, sondern wenn, wie damit umgegangen wird.

Fox sieht zudem auch jene Teilnehmer in der Pflicht, die “einfach abgereist” sind. Das Ergebnis ist bekannt: notwendige Isolationsmaßnahmen in Ställen, Verunsicherung und – in etlichen europäischen Ländern – Turnierstopps, abgesagte Sichtungen, wieder lähmende Unsicherheit. Nicht das, was die gesamte Branche in der ohnehin angespannten Corona-Lage braucht. M.B.

Update –  Hilfe von außen

Ein klein wenig hat sich die verzweifelte Situation im isolierten “Pferdelager” Valencia entspannt. Hilfe kam u.a. aus der “Nachbarschaft” –  die Sunshine Tour in Vejer de la Frontera schickte 60 Zeltboxen inklusive Überdachung nach Valencia, damit die Pferde weiter gut separiert werden können. Die MET in Oliva Nova, nur rund 80 Kilometer entfernt, sandte frühzeitig Späneballen und Desinfektionsmittel, Springreiterin Katharina Offel rekrutierte mit Kolleginnen und Kollegen Freelance-Grooms, also Pfleger/ Pflegerinnen, die in Valencia einige ihrer z.T. vollkommen erschöpften Kolleginnen und Kollegen ablösen können. Und aus Deutschland rollten innerhalb von wenigen Tagen gleiche mehrere LKW mit Medikamenten, Immun-Boostern, Desinfektionsmitteln, Pferdegeschirren, Schutzkleidung, FFP2-Masken, Futter, Heu, Einstreu etc. aus Deutschland Richtung Valencia. Unternehmen wie Effol, Eggersmann, Peer-Span, Elisabeth Zeits, Constantin Söffing, Rigo Esch und viele andere mehr, inklusive Grooms und Tierärzten, trugen dazu bei, dass soviel zusammenkam in der Initiative “Reiter helfen Reitern” e.V..

Gedacht ist diese praktische Unterstützung für ALLE betroffenen Pferde in Valencia, ganz gleich aus welcher Nation. Auch in Spanien herrschen Corona-bedingte Einschränkungen, so dass die Beschaffung von sehr großen Materialmengen nicht ganz einfach ist. Decken und Einstreu penibel wechseln, Eimer, Heu- und Mistgabeln zuteilen, desinfizieren –  genaue Hygienemaßnahmen – sind zwingend notwendig bei einem Herpesausbruch. Das Virus ist hochansteckend und kann auch durch Kleidung, Arbeitsmaterial oder Schuhe weitergereicht werden. Die gesammelten Spenden dienen nicht dazu, Tierarztrechnungen zu bezahlen oder die Hotelzimmer von Reiter/ Reiterinnen –  darauf legt die Initiative um Axel Milkau großen Wert. Tatsächlich gehe es darum, die hohe Menge an Material und praktischer Unterstützung für die Pferde zu gewährleisten. M.B.

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