23. Juni 2021

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Quo vadis Holsteiner Verband? Symbolbild. (Foto: M.B.)

Quo vadis Holsteiner Verband? Symbolbild. (Foto: M.B.)

Neun Kandidaten/ Kandidatinnen stehen am 31. März zur Wahl für den Vorstand des Holsteiner Verbandes. Neun von 13 angetretenen Männern und Frauen, die – und das ist das wirklich Bemerkenswerte – bereit waren und sind, für ein Ehrenamt zu kandidieren, welches in den vergangenen Jahren nicht an Leichtigkeit gewonnen hat. Im Gegenteil: Die Chance, richtig in die Kritik zu geraten, ist groß. Das liegt daran, dass im gelobten Pferdezuchtland die Unzufriedenheit wuchs und wuchs und dann noch eintrat, was zum handfesten Skandal geriet und schließlich zum Rücktritt des gesamten Verbandsvorstandes führte. So von außen betrachtet, fragt man sich: Wo soll es denn nun hingehen? Die Antwort ist womöglich ein bisschen undeutlich….

Der Rücktritt  – mit Druck von außen und auch aus eigenem Antrieb – hat den Weg frei gemacht für einen Interimsvorstand, der reichlich Hausaufgaben für die Zukunft zu erledigen hatte und noch hat. Eine Chance, um eingefahrene Mechanismen zu verändern, alte Zöpfe abzuschneiden und dabei nicht alles “in die Tonne zu treten”, was ordentlich funktioniert hat. Corona-bedingt ist das Online-Verfahren zur Kandidaten-Wahl in den Körbezirken derart kompliziert geraten, das etliche Mitglieder lieber gar nicht erst wählten und die Ergebnisse in drei Körbezirken auch noch einen Anlaß zur Anfechtung boten. Nichts worauf man stolz sein darf und vielleicht nicht gut und umfassend genug für alle erklärt. Das schafft wenig bis kein Vertrauen für die Zukunft. Von außen betrachtet konnte man ohnehin den Eindruck gewinnen, es ginge mindestens um Präsidentschafts-Vorwahlen nach US-amerikanischem Vorbild und nicht bloß um den Holsteiner Verband.  

“Wählerisch”

Ohnehin ist das gepflegte System über Delegierte den Vorstand zu wählen, in der Kritik bei den Mitgliedern. Wohl auch zu Recht, denn in einem Verband, der nicht mal fünfstellige Mitgliederzahlen hat, sollte es anders gehen. Ändern kann man das System allerdings nur über die Satzung und das bedarf der Zustimmung der Mitglieder. Eine Aufgabe also für einen neu gewählten Vorstand. Umso unglücklicher ist es, wenn schon die “Vorentscheidungen” aus den Körbezirken für die Vorstandskandidaten von Fehlern überschattet wurden und möglicherweise einen Grund liefern, vor Gericht zu ziehen. 

Ein neuer Vorstand wird aber noch ganz andere Themen anzufassen haben: Etwa die seit Jahren schwelenden Konflikte um das Thema Verbandshengsthaltung und Privathengsthaltung – man konkurriert einerseits, andererseits ist aber alles zusammen der Holsteiner Verband. Schwierige Aufgabe und von immenser Bedeutung – will man sich nicht zerreiben und schwächen, während ringsum andere Verbände davonziehen. Und das tun sie vor allem im europäischen Ausland. Wie gut die Compliance-Regeln –  also die Verhaltensmaßgaben zur Vermeidung von Konflikten zwischen Amt und Eigeninteressen tatsächlich funktionieren, wird sich noch zeigen müssen. Wie gut die Mitglieder des Holsteiner Verbandes – ob “kleiner” oder großer Züchter/ Züchterin, ob außerhalb oder innerhalb Schleswig-Holsteins “mitgenommen” werden können und auch von den Vermarktungsinstrumenten profitieren –  all das sind komplexe Herausforderungen.

Man ahnt es schon – ein frustrierender Start ins “Wahljahr” eines traditionsreichen Pferdezuchtverbandes, der in den vergangenen anderthalb Jahren wohl etwas mehr richtig als falsch gemacht hat: Mehr “hinhörte” bei den Mitgliedern und weniger Abgrenzung, sondern etwas mehr “wir” geübt hat. Der auch in kniffligen Zeiten mit anderen Wegen der Vermarktung und Präsentation Erfolge zu erzielen vermochte und in dem durchaus uneitel und lautlos gearbeitet wurde –  sowohl auf haupt-  wie auch ehrenamtlicher Ebene. 

Quo vadis?

Es gab Zeiten beim Holsteiner Verband, da war die “Demokratur” eventuell der bessere Weg in die Zukunft. Das ist lange her. Aber – auch Demokratie in einem Verband ist ein Prozess, an dessen Ende die Akzeptanz für verhandelte, erstrittene, umstrittene und dann getroffene Entscheidungen steht an die ein Vorstand gebunden ist. Wenn das misslingt, wird es öffentlich. Im Internet ist die Welt ein Dorf, ruck-zuck sind ein paar Spekulationen im Umlauf, werden Interessenlagen in Medien aufgegriffen und in der kunterbunten Social-Media-Welt das Bedürfnis nach Bedeutungswachstum einzelner Protagonisten gezielt genutzt. Vor allem dann, wenn “alte Rechnungen” zu begleichen sind oder Erwartungen enttäuscht wurden. Erfahrungsgemäß gewinnt das mehr Aufmerksamkeit als alles andere. Kann man so machen oder auch anders. 

Was brauchen die Mitglieder des Holsteiner Verbands eigentlich? Doch einfach einen kompetenten und handlungsfähigen Vorstand –  eben keine “eierlegende Wollmilchsau” oder fünf neue “Übermenschen”. Für das Tagesgeschäft ist das Hauptamt da, nicht Vorsitzende, Stellvertreter oder Beisitzende für 24 Stunden an sieben Tagen. Ein Vorstand ist Ohr und Sprachrohr der Mitgliederbelange, muss Stimmungen, Bedürfnisse aufgreifen, Interessenlagen erkennen. Ein Vorstand muss Ziele formulieren können und Wege denken und ein Vorstand muss das Hauptamt effektiv kontrollieren und eben auch unterstützen können. Es sieht derzeit so aus, als hätte der Holsteiner Verband für die am 31. März anstehende Vorstandswahl Männer und Frauen zu präsentieren, die zumindest schon mal auf dem Papier individuelle Kompetenzen, Stärken, betriebswirtschaftliches und züchterisches Know-How, Bekanntheitsgrad und Netzwerk zu bieten haben. Das müssen sie beweisen können. Bei den Verbandsnachbarn unterhalb der Elbe im Niedersächsischen finden das Einzelne sogar “beneidenswert”. Dort hat man nämlich Erfahrung damit machen müssen, wie abschreckend es wirkt, wenn Arroganz, die Lust am Beschädigen von Personen und Streit, der nicht nur um “die Sache” ging, in den Mittelpunkt rücken.Holstein muss es besser können. M.B.

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