27. Oktober 2021

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Springen: Erfolgreiche Zeit für Deußer und Thieme in den USA

Andre Thieme und Chakaria In Wellington (Foto: Sportfot)

Andre Thieme und Chakaria In Wellington (Foto: Sportfot)

Warendorf (fn-press). Während der Pferdesport in Europa aufgrund des Corona- und Herpesvirus stillstand und teilweise noch immer stillsteht, hatten zwei deutsche Springreiter das Glück, früh genug in die USA gereist zu sein, um dort an Turnierserien teilzunehmen: Daniel Deußer und André Thieme. In Florida eilten die beiden mit ihren Pferden in den vergangenen Wochen von Erfolg zu Erfolg. Zuletzt gewann Deußer mit Scuderia 1918 Tobago Z den Großen Preis beim internationalen Fünf-Sterne-Turnier in Wellington (wir berichteten). Thieme siegte mit Chakaria im „Great American“, einem nationalen, hochdotierten Springen in Ocala. Während Thieme pünktlich zu Ostern wieder bei seiner Familie in Mecklenburg-Vorpommern ist, steht für Deußer zum Abschluss seiner USA-Reise am Osterwochenende noch ein letzter Großer Preis auf dem Programm. So wie alle Kadermitglieder haben auch Thieme und Deußer ein großes Ziel vor Augen: Die Olympischen Spiele in Tokio. Für André Thieme wäre es das erste große Championat. Mit Chakaria, die erst seit wenigen Monaten Mitglied des Perspektivkaders ist, will er seinen Traum verwirklichen.

Bereits seit Ende Januar reitet Daniel Deußer (Rijmenam/BEL) in Wellington und kann bisher auf drei Siege in Großen Preisen mit seinen Spitzenpferden Killer Queen VDM und Tobago Z sowie zahlreiche weitere Top-Platzierungen zurückschauen. André Thieme reist mit seinen Pferden schon seit vielen Jahren im Winter nach Florida, um sich dort auf die Saison in Europa vorzubereiten. Die vergangenen Wochen beschreibt der 45-Jährige aus Plau am See als seine erfolgreichste Tournee der vergangenen 20 Jahre. „Während des langen Stillstands im letzten Jahr wegen Covid fand kaum richtiger Pferdeverkauf statt und es gab wenig große Turniere. Deshalb haben wir entschieden, dieses Jahr drei Wochen länger nach Florida zu fliegen, also insgesamt neun Wochen, und zwei Pferde mehr mitzunehmen. Das war auch ein gewisses Risiko, aber es hat sich sportlich und geschäftlich absolut gelohnt“, berichtet Thieme. Bereits zum vierten Mal gewann er in Ocala den „Great American $1 Million Grand Prix“ und trug sich damit in die Geschichtsbücher ein. In Wellington belegte er hinter Deußer Platz zwei in einem der Großen Preise. Hinzu kommen zahlreiche weitere Top-Platzierungen. Alle Turniere in den USA fanden unter Corona-Hygieneauflagen statt, mit Masken- und Abstandspflicht. Bei der Rückkehr in die Heimat müssen die Reiter in Quarantäne. Die wird Dank der erfolgreichen Zeit wohl erträglich sein.

Den sportlichen Erfolg haben beide Reiter natürlich auch ihren Pferden zu verdanken, Thieme vor allem seiner elfjährigen Brandenburger Stute Chakaria (von Chap – Askari). Talent liegt der Fuchsstute im Blut. Ihr eigenes Können bewies Chakaria schon im vergangenen Jahr. Spätestens nach der Corona-Pause standen Thieme und die DSP-Stute auf dem Zettel des Bundestrainers. Es folgten die Nominierung für den Nationenpreis in Prag sowie der Start bei den Deutschen Meisterschaften in Riesenbeck. Kurz vor Weihnachten dann die Nominierung für den Perspektivkader und damit den erweiterten Kreis der Olympia-Kandidaten. „Die Verschiebung der Olympischen Spiele ist für mich das größte Glück“, sagt Thieme. „2020 wäre für Chakaria zu früh gewesen, so konnte sie noch ein Jahr reifen und Erfahrungen sammeln. Jetzt steht sie in der Blüte ihrer Laufbahn.“

Vor drei Jahren, als Achtjährige, entdeckte André Thieme per Zufall die Stute, die damals von Ulf Ebel (Polzow) geritten wurde, der sie auch in den Sport brachte. „Als ich sie gesehen habe, habe ich gleich Nägel mit Köpfen gemacht. Normalerweise bin ich eher ein Träumer, aber hier habe ich mal schnell reagiert und es war genau die richtige Entscheidung“, sagt Thieme rückblickend. „Nachdem sie ihr erstes größeres Turnier ging, bei dem auch ClipMyHorse übertragen hat, gab es viele, viele Angebote für sie, denen wir aber widerstehen konnten. Mein großer Traum war immer bei Olympia zu reiten, und das ist es immer noch.“ Dabei war und ist Chakaria kein einfaches Pferd, sehr eigen, zickig, übersensibel. Aber eben auch genial, intelligent, kämpferisch und vermögend. „Ich hatte schon gute Pferde, zum Beispiel Contanga und Conthendrix, die waren besser als andere. Aber wir haben ziemlich schnell gemerkt, dass Chakaria noch einmal auf einem anderen Level ist. Sie geht auch über Fünf-Sterne-Niveau mit Leichtigkeit und hat absolutes Superstar-Potenzial“, schwärmt Thieme. Auch heute sei die DSP-Stute noch immer sehr sensibel, aber vor allem ein stets motiviertes, engagiertes Pferd, das auch nach mehreren Tagen auf dem Turnier noch große Reserven habe. Thieme ist überzeugt: „Im Parcours kämpft sie bis zum Schluss, als würde sie für mich durchs Feuer springen.“

Auch der Bundestrainer ist überzeugt: „André und Chakaria gehören, genau wie alle Kadermitglieder, zum Kandidatenkreis für Tokio. Die Stute ist sehr konstant gegangen und hat ihre Kaderberufung voll bestätigt“, sagt Otto Becker und ergänzt: „Jetzt ist es wichtig, dass sie diese Leistung auch hier in Europa zeigen und den Sichtungsweg mitgehen. Ich habe sie auf jeden Fall für den Nationenpreis in St. Gallen eingeplant. Die Hauptsichtungen finden im Mai und Juni statt.“ Eine feste Planung ist aufgrund der Unwägbarkeiten der Corona-Pandemie kaum möglich. „Wir planen so, als würde Tokio stattfinden und nutzen die Turniere bis dahin“, sagt Becker. Immerhin gab der Weltreiterverband nun bekannt, dass der Veranstaltungsstopp für internationale Turniere, der wegen des Herpesvirus-Ausbruchs in Valencia/ESP erhoben worden war, ab 12. April aufgehoben wird – wenn auch mit verschärften Hygiene-Auflagen für Menschen und Pferde.

Der Weg nach Tokio – nach aktuellem Stand der Planung
Der Drei-Sterne-Nationenpreis in Gorla Minore (21.-25. April) ist nach aktuellem Stand für das deutsche Team fest eingeplant, zudem wurden Anfragen für die Teilnahme an den Nationenpreisturnieren in Prag/CZ, Uggerhalne/DEN und Drammen/NOR gestellt, allerdings gibt es dazu noch keine Rückmeldungen. In Deutschland stehen neben einigen internationalen Zwei- und Drei-Sterne-Turnieren auch die Vier-Sterne-Turniere in Mannheim (27. April bis 4. Mai) und Wiesbaden (21.-24. Mai) im Kalender, die der Bundestrainer seinen Reitern zusammen mit der Deutschen Meisterschaft in Balve empfiehlt. Im Fünf-Sterne-Bereich sind darüber hinaus die Nationenpreise in Rom/ITA (26.-30. Mai), St. Gallen/SUI (3.-6. Juni), Sopot/POL (17.-20. Juni) und Rotterdam/NED (24.-27. Juni) fest eingeplant. Die finale Nominierung der vier Springreiter und -pferde, die die deutschen Farben bei den Olympischen Spielen vertreten werden, ist der 5. Juli. Die Spiele finden von 23. Juli bis 8. August in Japans Hauptstadt statt.  jbc

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