23. Juni 2021

Pegamo.de

Alles übers Pferd

Kai Vorberg: „Das Grundniveau ist sehr hoch“

Mädchen voltigiert auf Pferd

Mädchen voltigiert auf Pferd

Warendorf (fn-press). Nach langer coronabbedingter Pause traten am vergangenen Wochenende in Warendorf nun auch wieder die Voltigierer in Aktion. Im Rahmen des „Preis der Besten“ ermittelten die besten U18-Athlet*innen der Bundesrepublik die Teilnehmer der diesjährigen Junioren-Weltmeisterschaften, die nach aktuellem Stand Ende Juli/Anfang August im französischen Le Mans durchgeführt werden. Kai Vorberg, Bundestrainer der Junioren, sprach über seine Eindrücke des Wettkampfes.

FN-aktuell: Herr Vorberg, wie haben Sie das erste Turnier nach so langer Pause erlebt?
Kai Vorberg: “Zu Beginn war mein Eindruck, dass so etwas wie ein Wettkampf für viele Teilnehmer nichts „Normales” mehr ist. Zumindest hat es sich für viele Athleten sicher nicht mehr normal angefühlt. Die meisten haben aber sehr schnell wieder in den Wettkampf-Modus zurückgefunden. Die Fokussierung auf die Leistung war schnell wieder da. Ich habe auch gemerkt, dass viele Teilnehmer die Zeit der langen Pause sehr gut genutzt haben. Stichwort Technik, Stichwort Abgänge – viele haben sich hier sehr gut weiterentwickelt präsentiert. Es war wider Erwarten gar nicht unbedingt ein niedrigeres Niveau als in den Vorjahren, was man vielleicht im Vorfeld erwartet hätte.”

FN-aktuell: Bei den Juniorteams hat sich der VV Ingelsberg durchgesetzt. Was hat die Bayern so stark gemacht?
Kai Vorberg: “Ingelsberg hat sich hervorragend präsentiert. Man hat aber auch gemerkt, dass in Bayern die Corona-Schutzverordnung seit November Klarheit geschaffen hat in Bezug auf die Zulassung des Trainings für Landes- und Bundeskadermannschaften. Dadurch gab es hier eine gewisse Planungssicherheit, die Athleten konnten entsprechend trainieren und haben sicherlich davon profitiert. Vor allem in der abschließenden Kür war zu sehen, dass hier schon eine solide Harmonie mit dem Pferd herrscht. Das war ein sehr sauberer Umlauf.”

FN-aktuell: Wie war Ihr Eindruck von der Herren-Konkurrenz?
Kai Vorberg: “Der Preis-der-Besten-Sieger Philip Goroncy sowie Simon Stolz waren ja vorher schon im NK 1 Kader und haben hier ihre Leistung bestätigt. Bei Bela Lehnen, der sich auf Rang zwei schieben konnte, kam das Ergebnis vielleicht ein klein wenig überraschender. Aber natürlich ist er als Mannschafts-Weltmeister von 2019 kein Unbekannter. Es war dennoch erfreulich, wie er sich an diesem Wochenende gezeigt hat und im Laufe der Durchgänge immer mehr steigern konnte. Die Herren haben hier über das gesamte Juniorenfeld und den Preis der Zukunft gesehen Leistungen gezeigt, auf denen man gut aufbauen kann. Dennoch gibt es bei Junioren zwischen der Sichtung und dem Championat immer noch viel zu tun. Ich muss sagen, da sind wir gar nicht so schlecht aufgestellt, wie wir es vielleicht zwischendurch in den vergangenen Jahren mal waren. Das ist ganz erfreulich.”

FN-aktuell: Die Damen waren in den vergangenen Jahren bereits stark besetzt – hat sich dies aus Ihrer Sicht auch in diesem Jahr bestätigt?
Kai Vorberg: “Das hat sich definitiv bestätigt. Vor allem anhand der Tatsache, wie unsere U18-Damen auf technischer Ebene aufgestellt sind. Es ist bemerkenswert, wie viele von den Athletinnen, die nun nicht für die WM nominiert sind, schon ein hohes Potenzial aufweisen, auch wenn in diesem Alter nicht immer gesagt ist, dass die Athletinnen ihre Trainingsleistung konstant im Wettkampf abrufen. Aber das Grundniveau der technischen Möglichkeiten ist sehr hoch bis zur mindestens zweiten Reihe. Schön ist natürlich auch immer, wenn sich NK 2 Athletinnen nach vorne schieben können, wie wir es zum Beispiel bei Laura Seemüller (Bayern) haben sehen können. Es war insgesamt ein spannender Wettkampf. Imponiert hat mir, dass einige ein hohes Risiko auf sich genommen und vielleicht am Ende einfach nur ein bisschen Pech hatten. Das Grundniveau ist auf jeden Fall sehr hoch und das stachelt natürlich den Konkurrenzkampf im positiven Sinne an.”

FN-aktuell: Wie lautet Ihr Fazit nach dem Pas-de-Deux-Wettkampf?
Kai Vorberg: “Auch hier hatten wir in diesem Jahr ein recht breites Feld und drei Paarungen in gemischt-geschlechtlicher Kombination. In Anbetracht der Tatsache, dass einige Duos erst seit Kurzem miteinander trainieren, sind die Ergebnisse wirklich klasse. Da reden wir zum Teil von nur wenigen gemeinsamen Wochen. Wir hatten hier ausschließlich Newcomer am Start. Hervorzuheben ist natürlich die Leistung von Liesbeth Erna Fraatz und Finn Gallrein vom RV Integration aus Bernau. Finn ist erst seit letztem Jahr im Voltigieren dabei und was da an Arbeit geleistet wurde in den vergangenen Monaten ist beeindruckend. Und auch das zweite Pas-de-Deux aus Oldenburg mit Lily Warren und Arne Heers hat sich mit nicht mehr als fünf Trainingseinheiten hier hervorragend präsentiert.”

FN-aktuell: Beim Preis der Zukunft zeigten sich ganz junge AthletInnen und Athleten zwischen 12 und 14 Jahren – wie lautet Ihre Prognose für die Zukunft des Voltigiersports nach den Eindrücken des Wettkampfes?
Kai Vorberg: “Auch hier haben wir Voltigiersport auf sehr hohem Niveau erleben dürfen. Dass Zwölfjährige bereits in den Handstand schwingen, ist mittlerweile kein Alleinstellungsmerkmal mehr. Das war vor vier bis fünf Jahren noch anders. Da sieht man, dass sich der Sport und das Trainingsniveau unheimlich entwickeln. Die VoltigiererInnen werden immer früher ehrgeizig und auch aus athletischer Sicht hat sich in dieser Altersstufe sehr viel getan. Wir sehen sehr viele schwierige Elemente mit hohen technischen Anforderungen und auch sportliche Abgänge wie Flick-Flack oder freies Rad ist eher der Standard als die Ausnahme. Ich denke, im zwölfköpfigen Feld hatten wir mindestens fünf hochwertige Abgänge. Das ist beeindruckend.

Besonders erwähnt werden sollte in diesem Zusammenhang auch noch, dass der ‘Preis der Zukunft’ – wie übrigens auch das U21-Pilotprojekt – in diesem Jahr erstmals von der Stiftung Deutscher Spitzenpferdesport unterstützt wurde. Vielen Dank dafür an dieser Stelle, das ist wirklich sehr wertvoll für unseren Sport. Für die ersten drei des Preis der Zukunft gab es jeweils ein Ausbildungsstipendium in Höhe von tausend Euro. Ich glaube, sie konnten ihr Glück gar nicht fassen.”

FN-aktuell: Ein Turnier in diesen Zeiten ist für alle Beteiligten keine leichte Aufgabe. Wie lautet Ihr Resümee?
Kai Vorberg: “Ich glaube, wir als Veranstalter und auch alle Teilnehmer wissen sehr zu schätzen, was wir dieses Wochenende hier erleben durften. Viele lachende Gesichter konnte ich sehen, auch einige traurige. Ich glaube, jeder der Teilnehmer weiß für sich selbst, wo er sich da am besten einordnet, aber jetzt kann man weiterkämpfen, man kann auf diesen Erlebnissen aufbauen und auch Freude über die Leistung mit Stolz mitnehmen in die Zukunft, die uns hoffentlich auch wieder mehr Turniere bringen wird. Ich hoffe, dass die Tatsache, dass wir den Preis der Besten gut durchgeführt haben und guten Sport gesehen haben, dazu führt, dass sich mehrere Veranstalter motiviert fühlen, wieder etwas zu tun und in die konkreten Planungen zu gehen. Das ist für unseren Sport von großer Bedeutung.”
Das Interview führte Daniel Kaiser.

Abonnieren Sie dem Newsletter!

d1a5a6f68d

This website uses cookies. By continuing to use this site, you accept our use of cookies.  Mehr erfahren