24. Juli 2021

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Die EM im Blick – das Interview mit der amtierenden Deutschen U25-Kür-Meisterin, Ellen Richter

Ellen Richter Foto © Stefan Lafrentz

Ellen Richter Foto © Stefan Lafrentz

Hagen. In unserer neuen Interview-Serie #RoadtoHagen wollen wir die potentiellen Kandidaten für die FEI Dressage European Championships näher kennenlernen. Den Auftakt macht die amtierende Deutsche U25-Kür-Meisterin, Ellen Richter⁠

Hast Du Dich inzwischen von dem wunderbaren ‚Schock‘ erholt? Mit Kür-Gold bei der U25-DM Anfang Juni hattest Du nicht wirklich gerechnet…

Ellen Richter: (lacht) Das war wirklich total überraschend, aber inzwischen habe ich es ein bisschen verarbeitet. Die ersten Tage nach Balve war noch so viel los, so viele Leute kamen, um mir zu gratulieren, aber langsam muss ich mich nicht mehr jeden Tag aufs Neue kneifen, ob das alles nur ein Traum war.

Diese Medaille hat hinter Deinen Namen mit Blick auf die anstehenden U25-Europameisterschaften ein dickes Ausrufezeichen gesetzt. Wie sehr ist die EM in Hagen schon in Deinem Kopf?

ER: Vor Balve habe ich überhaupt nicht an die EM gedacht, aber ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass das jetzt kein Ziel für mich ist. Darauf arbeitet man hin und es wäre schon sehr cool, wenn das mit der EM klappt! Aber bis dahin ist es noch eine ganz schön lange Zeit, Vinay muss fit und auf seinem Leistungsstand bleiben. Es kann noch viel passieren und ich möchte mich nicht zu früh freuen.

Vinay ist erst zehn und Ihr seid schon im Bundeskader angekommen. Was macht ihn zu einem so besonderen Partner?

ER: Sein Charakter und seine Einstellung. Das hat man auch bei der Deutschen Meisterschaft wieder gesehen. Es war schwül und die Tage lang, aber Vinay hat auch am letzten Tag noch alles gegeben. Er war vielleicht auch ein bisschen müde, aber ihm merkt man das nicht an. Ich glaube, ich könnte ihn auch zwei Prüfungen am Tag reiten und er würde immer noch 120 Prozent geben. Und ich kann mich auf ihn verlassen. Wir sind beide noch nicht so erfahren. Wenn mal Fehler passiert, liegt das daran. Aber dass er einfach mal einen schlechten Tag hat, keine Lust hat oder sich nicht konzentriert, das ist sehr sehr selten. Ich kenne mich im Fußball nicht so gut aus, aber ich denke, er ist wie ‚Toni Kroos‘ auf dem Fußballfeld: sehr konzentriert und zuverlässig.

Ende Juli, Anfang August steht in Elmlohe die zweite EM-Sichtung für die U25-Reiter an. Wie sieht Dein Fahrplan bis dahin aus?

ER: Nach der DM haben wir Vinay im Training runtergefahren, Anfang Juli werden wir dann langsam wieder etwas mehr trainieren und ihn für Elmlohe aufbauen. Mit Oli (gemeint: Oliver Oelrich) kann ich wahrscheinlich nicht so oft trainieren in der Zeit, er bereitet einige Schüler für Tokio vor. Aber ich habe glücklicherweise zwei tolle Trainer! Ich werde sicher einige Male zu Klaus (gemeint Klaus Balkenhol) fahren. Da fahre ich knapp zwei Stunden hin, aber Vinay reist sehr entspannt, das macht ihm nichts aus. Ein paar Tage vor den Deutschen Meisterschaften war ich auch noch mal bei ihm zum Trainieren. Da hat das mit den Wechseln noch nicht so gut geklappt. Nach der Kür hat er mich sofort angerufen und sich genauso gefreut wie ich. Er fiebert immer richtig mit.

Du bist in Juniorenzeiten schon mit Fontane bei einer Europameisterschaft am Start gewesen. Was bedeutet es für Dich, im deutschen Team zu sein?

ER: Man geht ja generell nicht oft als Mannschaft an den Start. Schon das ist etwas Besonderes. Für das deutsche Team im Dressursport ist es natürlich noch spezieller. Wenn man für sich selbst eine Prüfung in den Sand setzt, ist das schade, aber fürs Team möchte man unbedingt eine sichere Runde zeigen, um der Mannschaft zu helfen. Da riskiert man auch weniger.

2014 warst Du in Arezzo bei der EM, 2016 bist Du mit Deiner Schwester zur EM ins spanische Oliva mit Sonne, Strand und Meer gereist. Dieses Jahr ist die EM in Hagen am Teutoburger Wald. Was ist Dir lieber: Fern-EM oder Heim-EM?

ER: Also, Strand war auch toll, aber ich freue mich total auf die EM in Hagen, ob im Team oder als Zuschauerin. Die Anreise ist schön kurz, das ist gut für die Pferde. Und ich kenne die Turniere bei Familie Kasselmann – die sind immer super organisiert. Sie wissen einfach genau, was sie tun. Dann noch hier in Deutschland, zusammen mit den Senioren und mit heimischem Publikum – das wird sicher sehr besonders und ein klasse Erlebnis.

Wir unterstellen mal, dass Du Tagebuch schreibst. Wenn Du ins EM-Team kommen würdest, was würdest Du am Abend, bevor es losgeht, reinschreiben?

ER: Ich denke, ich würde darüber schreiben, wie viele Jahre ich daraufhin gearbeitet habe. Und wie unglaublich dankbar ich bin. So ein Pferd wie Vinay werde ich wahrscheinlich nie wieder haben. Ganz viele Reiter dürfen nie ein solches Pferd reiten. Ich habe unglaubliches Glück mit diesem Pferd und dafür bin ich unendlich dankbar!

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