5. August 2021

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Tokio 2021: Die Dressurpferde – Ausnahmetalente und Herzenspferde Annabelle, TSF Dalera BB, Bella Rose und Showtime FRH auf dem Weg zu den Olympischen Spielen

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Warendorf (fn-press). Es steht fest: Jessica von Bredow-Werndl (Aubenhausen) und TSF Dalera BB, Dorothee Schneider (Framersheim) und Showtime FRH sowie Isabell Werth (Rheinberg) und Bella Rose sind das deutsche Dressur-Team für die Olympischen Spiele. Als Reservepaar wurden Helen Langehanenberg (Billerbeck) und Annabelle nominiert. Der Deutsche Olympischen Sportbund (DOSB) hat die Nominierung bestätigt. Die Benennung der Pferd-Reiter-Paare hing maßgeblich von den Leistungen bei den vergangenen Sichtungsturnieren ab. Es schien so, als würden die Reiterinnen und ihre vierbeinigen Sportpartner in Mannheim, München, Balve oder Kronberg über sich hinauswachsen, um einen der begehrten Plätze beim wichtigsten Sportereignisn der Welt zu ergattern.

Dalera – verschmust und ehrgeizig
„Ich bin unheimlich stolz auf Dalera und mich, dass wir es jetzt geschafft haben“, sagte Jessica von Bredow-Werndl (Aubenhausen) mit Tränen in den Augen nach der Nominierung. Für die zuletzt hocherfolgreiche Dressurreiterin, die mit Dalera in Balve zweifache Deutsche Meisterin wurde, geht mit der Nominierung ein lang ersehnter Traum in Erfüllung. „Ich bin dabei. Ich war schon zwei Mal knapp nicht dabei und ich habe es jetzt geschafft. Ich bin voll im Rennen und habe alle Chancen.“ Dalera sei für sie ein unvergleichliches Pferd. Die Stute sei wahnsinnig liebevoll und verschmust, aber wenn es darauf ankomme genauso ehrgeizig wie ihre Reiterin. „Vielleicht bin ich auch jetzt so emotional, weil der Druck von uns abfällt. Es ist gar nicht so selbstverständlich, immer Leistung zu bringen, aber das haben wir jetzt geschafft.“ Dalera gebe im Viereck immer alles für ihre Reiterin und kämpfe mit ihr. „Sie ist so ein ehrliches Pferd und es ist einfach so toll, jemanden an seiner Seite zu haben, auf den man sich hundertprozentig verlassen kann. Ich weiß genau, wenn ich in das Viereck in Tokio einreite, wird sie alles für mich geben. Und das ist etwas ganz, ganz Besonderes.“

Bis die Quarantäne der Pferde in Aachen vor den Olympischen Spielen beginnt, macht das Paar etwas Urlaub. Dalera kommt jeden Tag auf die Koppel und darf sich bei langen Ausritten erst einmal von den Turnieren der vergangenen Wochen erholen. In der Quarantäne in Aachen will von Bredow-Werndl das Training der Stute dann wieder langsam aufnehmen.

Die zweiten Olympischen Spiele für „Showi“
Dorothee Schneider und Showtime FRH sind bereits erfahrene Olympioniken. Die Dressurreiterin aus Framersheim ist bereits zum dritten Mal für die Olympischen Spiele nominiert worden, für ihren „Showi“ ist es der zweite Auftritt beim wichtigsten Sportereignis der Welt – „Ein Wahnsinns-Gefühl“, sagte Schneider. „Ich habe dieses Pferd, seitdem er drei Jahre alt ist selbst ausgebildet und das ist einfach Gänsehaut pur“, beschrieb sie ihre Gefühle nach der Nominierung. „Ein Pferd, mit dem man gleich zwei Mal bei Olympia an den Start gehen darf, hat man nur einmal im Leben“, ist sie sich sicher. Nach ihrer verletzungsbedingten Turnierpause durch einen Schlüsselbeinbruch, habe Showtime sich von Turnier zu Turnier weiterentwickelt und nun müsse nur noch an einzelnen Stellschrauben gedreht werden. Denn das Ziel sei klar: „Wir wollen eine tolle Präsentation abliefern. Showi hat immer Lust, mit mir zu tanzen“, sagte Schneider lachend. Auch der Sandro Hit-Nachkomme dürfe bis zur Quarantäne erst einmal ein bisschen Freizeitprogramm genießen – die Gymnastizierung gehöre dabei selbstverständlich dazu. Neben Showtime wird auch noch der Hannoveraner-Wallach Faustus als Reservepferd für Dorothee Schneider mit in die Quarantäne nach Aachen kommen.

Gleich zwei Reservepferde nimmt Isabell Werth mit in die Quarantäne. Es fliegen zwar nur vier Reiterinnen und vier Pferde am 14. Juli nach Tokio, sicherheitshalber nehmen aber insgesamt neun Pferde an dem Quarantäne-Trainingslager auf dem CHIO-Aachen-Gelände teil, um kurzfristige Ausfälle vor den Olympischen Spielen noch kompensieren zu können.

Bella Rose – das Herzenspferd
Für die Rheinbergerin Isabell Werth ist es der sechste Start bei den Olympischen Spielen, insgesamt zehn Olympische Medaillen, davon sechs goldene, gehen bisher auf ihr Konto – keine andere Reiterin ist so erfahren wie Werth. Neben Bella Rose wurden Weihegold OLD als erste und DSP Quantaz als zweite Reserve vom DOKR-Dressurausschuss vorgeschlagen. Alle drei sind besondere Pferde, doch zu Bella Rose hat Isabell Werth eine spezielle Beziehung: „Für mich persönlich, für mein Herz ist sie die Nummer eins. Bella ist einfach ein Schatz, mein Herzenspferd, sie ist sehr lieb und extrem leistungsbereit zugleich.“ Isabell Werth hat gehofft und geplant, dass Bella Rose wieder so gut in den Turnierrhythmus hineinkommt. Die 17-jährige Westfalenstute hatte sich nach einer lagen Turnierpause bei den Weltreiterspielen 2018 mit Gold im Grand Prix Special und in der Mannschaftswertung sowie bei den Europameisterschaften 2019 mit drei Mal Gold in Special, Kür und im Team eindrucksvoll im internationalen Dressursport zurückgemeldet. Nachdem Corona-bedingt 2020 kein Championat stattfand, nahm Isabell Werth die Vorbereitung auf Tokio 2021 in Angriff und startete mit Bella Rose erfolgreich in Mannheim und bei der DM in Balve.

„Natürlich war das mein Traum, mit Bella noch einmal Olympische Spiele zu reiten“, sagte Werth, die nach so vielen großen internationalen Auftritten eine Nominierung trotzdem nicht als selbstverständlich ansieht. Ihre gute Form zeigte sie einmal mehr bei der Sichtung in Kronberg. „Sie war super in Schuss und hat zwei grandiose Prüfungen gezeigt. Das macht mich glücklich. Jetzt holen wir einmal Luft und dann geht es weiter.“ Isabell Werth hat klare Ziele, was die Mannschaftswertung in Tokio angeht: „Wir sind mit einem super starken Team unterwegs, es wäre falsche Bescheidenheit nicht zu sagen, dass wir versuchen würden die Mannschaftsgoldmedaille zu holen.“ Die erfahrene Dressurreiterin weiß aber auch genau um die Hürden, die bis zu den entscheidenden Prüfungen noch kommen: „Erstmal müssen wir heile ankommen und die Mannschaftsprüfungen werden schwer genug. Wie es dann letztendlich am Tag der Einzelprüfung aussieht, lassen wir auf uns zukommen.“

Mit der Entscheidung für das Reservepaar habe sich der Dressurausschuss schwerer getan als mit der Benennung der drei Teamreiterinnen, sagte Bundestrainerin Monica Theodorescu nach der finalen Nominierung. „Die Entscheidung für das Team war nicht schwer nach den Sichtungen, weil die drei Paare absolut outstanding sind. Die Entscheidung über die Reservereiterin war ein enges Rennen.“ Jedes Paar auf der Longlist hatte laut Theodorescu viele sehr gute, dann wiederum auch weniger gute Tage dazwischen. Da die Prüfung, die über die Mannschaftsmedaille entscheide, ein Grand Prix Special ist, sei die Wahl letztendlich aber auf Helen Langehanenberg und Annabelle gefallen.

Annabelle – die Stute mit dem speziellen Charakter
2012 trat Langehanenberg zum ersten Mal bei den Olympischen Spielen an, damals noch in London mit dem Ausnahmehengst Damon Hill. Die Nominierung als Reservereiterin und damit „ein kleiner Teil des Teams zu sein“, bedeute ihr sehr viel, verrät die Billerbeckerin. Für sie werde die Reise im Angesicht der Corona-Pandemie ein spannendes Abenteuer. Das waren auch die Spiele in London. „London war ehrlich gesagt von A bis Z einfach nur gewaltig. Es ist mit dem Start ein Kindheitstraum für mich in Erfüllung gegangen.“ Als Teil eines sehr jungen und noch championatsunerfahrenen Teams kämpfte sich Helen Langehanenberg mit Damon Hill damals zu Silber in der Mannschaftswertung. In der Einzelwertung wurden sie Vierte. Die 13-jährige Holsteiner Stute Annabelle stellt nun eine ebenbürtige Sportpartnerin dar. „Annabelle ist von Anfang bis Ende besonders. Sie hat schon ein spezielles Temperament und einen speziellen Charakter.“ Seitdem die Stute fünf Jahre alt ist, reitet Helen Langehanenberg sie mittlerweile und sie habe trotz einiger Höhen und Tiefen immer an Annabelle geglaubt. „Sie ist unheimlich gereift und ich habe das Gefühl, wir sind angekommen im Grand-Prix-Sport. Das macht mich stolz, diesen Weg mit ihr gegangen zu sein, der durchaus auch mal holprig war. Aber ich habe immer gesagt: ,Die kann das, das steckt in ihr drin`.“ Die großrahmige Stute trägt übrigens den Spitznamen „Mausi“. Allerdings nicht, weil sie eine kleine Maus sei, sagte ihre Reiterin lachend. „Sie hieß schon Mausi, als sie zu uns kam. Sie ist über 1,80 groß und besteht eigentlich nur aus Beinen, aber sie ist weder schwer noch kräftig und ist für mich wirklich eher eine Ballerina!“

Bis die Reiterinnen nach Aachen reisen, bleiben noch einige Tage Zeit. Die Quarantäne der Pferde findet vom 6. bis 14. Juli auf dem Gelände des CHIO Aachen statt. Mit in die Quarantäne gehen außerdem Frederic Wandres (Hagen a.T.W.) und Duke of Britain FRH. Für Benjamin Werndl (Aubenhausen) mit Daily Mirror rücken Carina Scholz (Sassenberg) und Tarantino nach, denn Daily Mirror hat sich in Kronberg verletzt. FN/Sina Stahlsmeier

Mehr Informationen über die Dressurpferde, etwa zu den Züchter*innen und Besitzer*innen, gibt es unter https://www.pferd-aktuell.de/tokio2021/dressur

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