8. Dezember 2021

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Bundeschampionate: Pferde mit Aha-Effekt – Viele Championatspferde haben ihre Karriere in Warendorf begonnen

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Warendorf (fn-press). „Hast du den gesehen?“ – Schon immer haben ganz bestimmte Pferde bei den Bundeschampionaten für Aufsehen gesorgt. Viele dieser besonderen Pferde mit „Aha-Effekt“ über die das Publikum oder manchmal auch die ganze Pferdewelt redete, sind wahre Champions geworden. Zu diesen Pferden gehören zum Beispiel Stakkato, Weihegold, Marius und Franziskus. Sie waren schon damals in aller Munde, bevor sie bei internationalen Championaten auf sich aufmerksam machten. Bei den Bundeschampionaten im vergangenen Jahr rührte die Geschichte vom ehemaligen Waisenfohlen Cahsmere die Pferdewelt. 2021 finden die Bundeschampionate vom 11. bis 15. August in Warendorf statt und welche Pferde dann die Szene begeistern, bleibt abzuwarten.

Stakkato – Vererberlegende der Springpferdezucht
Schon in der ersten Springprüfung fiel der talentierte damals fünfjährige Hengst bei den Bundeschampionaten 1998 auf. „Stakkato zog die Zuschauermassen immer vom Abreiteplatz mit bis zum Parcours“, erinnerte sich seine Reiterin Eva Bitter. Sein Talent erkannte die erfolgreiche Springreiterin schnell und so bildete sie ihn über die Jahre schonend aus. Bis 2011 lief der Hannoveraner Hengst von Spartan – Pygmalion im Sport und egal, in welchen Parcours Eva Bitter ihn hineinritt, die Zuschauer schauten ihm immer gebannt zu, wie 1998 als er den Titel des Bundeschampions holte. Nach dem Titel des Vize-Bundeschampions im Jahr danach folgten weitere Erfolge bei den Deutschen Meisterschaften und zahlreiche internationale Siege und Platzierungen. 2011 wurde Stakkato mit 18 Jahren auf dem Bundeschampionat aus dem Sport verabschiedet. Auch 13 Jahre nach seinem Titelgewinn standen die Zuschauer begeistert am Springplatz und sagten dem Hengst „Auf Wiedersehen!“ Die Zuchtbilanz von Stakkato, der zur Hälfte dem Niedersächsischen Landgestüt Celle gehört, ist ebenso beeindruckend wie seine sportliche Karriere: 73 gekörte und anerkannte Söhne und 96 Staatsprämienstuten stammen von ihm ab, der somit einer der bedeutendsten Springvererber der Hannoveraner Zucht ist. „Wenn es Stakkato nicht gäbe, dann wäre die Hannoveraner Zucht deutlich ärmer“, so Eva Bitter.

Marius – der Olympiasieger
Nur ein Jahr später – 1999 – war es ein nach dem Musiker Marius Müller-Westernhagen benannter Schimmel-Wallach, der bei den Bundeschampionaten für Aufsehen sorgte. Mit seinem Besitzer und Reiter Hinrich Romeike wurde der Holsteiner Marius von Condrieu xx – Laurin Vize-Bundeschampion der fünfjährigen Vielseitigkeitspferde – und das mit der bis dato höchsten Geländenote. Trotz der Qualität, die er in Warendorf an den Tag legte, ahnte zu diesem Zeitpunkt wohl noch niemand, dass Marius seinen Reiter, einen Zahnarzt aus Schleswig-Holstein, einmal durch die schwersten Geländeprüfungen der Welt tragen würde.Der wohl größte Traum eines jeden Reiters ging für Hinrich Romeike 2008 in Erfüllung. Bei den Olympischen Spielen in Peking wurden der Schimmel und sein Reiter Olympiasieger im Einzel und mit der Mannschaft. „Ich weiß, was ich Marius zu verdanken habe. Ich war einfach mit diesem Pferd an einem Wochenende der Beste von allen, beim wichtigsten Turnier, das es nur alle vier Jahre einmal gibt“, so Romeike. „Wenn die Sprünge wirklich hoch und breit wurden und die Gräben richtig breit, dann war das eine Art von Mühelosigkeit, mit der dieses Pferd die Aufgaben erledigte“, erinnerte sich Hinrich Romeike. Den Weg nach Peking ebnete Marius mit dem Deutschen Vizemeistertitel 2003, einem sechsten Platz in Badminton 2007, Team-Bronze bei der Europameisterschaft 2005 und mit der Team-Goldmedaille und dem fünften Platz im Einzel bei den Weltmeisterschaften 2006. „Natürlich ist Marius das Pferd meines Lebens.“

Weihegold OLD – von Warendorf nach Rio
Die erste Stute im Bunde der „Pferde mit Aha-Effekt“ bei den Bundeschampionaten trägt den klangvollen Namen Weihegold OLD. 2009 sicherte sich die Staatsprämienstute von Don Schufro – Sandro Hit den dritten Platz bei den vierjährigen Reitpferden unter Kira Wulferding. Sieben Jahre später holte die bildschöne Rappstute unter Isabell Werth Silber in der Kür bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro. Für die Mannschaft gab es sogar Gold. Den steilen Aufstieg hin zu einem der erfolgreichsten Dressurpferde der vergangenen Jahrzehnte begleiteten die Reiterinnen Beatrice Buchwald und Isabell Werth maßgeblich. Schon bei den Bundeschampionaten zeigte die Oldenburger Stute im Viereck ein außergewöhnliches Talent. Die Anerkennung jedes Reiters und jedes Züchters dürfte Weihegold spätestens dann erlangen, wenn sie einen Blick auf ihre Medaillenbilanz werfen: Zweimalige Deutsche Vizemeisterin, zwei Mal Gold bei den Deutschen Meisterschaften im Grand Prix Special und in der Kür, fünf erste Plätze bei Weltcup-Finals in der Kür und im Grand Prix, dreifache Europameisterin in Göteborg 2017 mit der Mannschaft, im Grand Prix und in der Kür sowie die Erfolge bei den Olympischen Spielen. Und diese Liste lässt sich noch weiterführen. Mittlerweile ist die Stute auch eine der interessantesten Vererberinnen in der Oldenburger Zucht.

Franziskus – der Publikumsliebling
Sänger Andreas Gabalier veröffentlichte mit dem Schlager „Hulapalu“ im Jahr 2015 einen echten Party-Hit. In der Reiterszene ist das Lied jedem im Gedächtnis geblieben, der Ingrid Klimke und den Hannover-Hengst Franziskus dazu hat durchs Viereck tanzen sehen. Die Kür ist legendär und das war auch schon der erste Auftritt des Hengstes 2012 bei den Bundeschampionaten. Der damals Vierjährige setzte sich bei den Hengsten in der entscheidenden Prüfung durch und wurde unter Johanna Klippert Bundeschampion. Auffallendes Gangwerk, Höchstnoten in der Qualifikation und der Finalprüfung: Der Hengst von Fidertanz-Alabaster sorgte in Warendorf für ordentlich Gesprächsstoff. 2016, vier Jahre später bog Ingrid Klimke mit Franziskus in der Frankfurter Festhalle beim Finale des Nürnberger Burg-Pokales auf die Wechsellinie ab und zum beeindruckenden Mitteltrab des Hengstes ertönte neben „Hulapalu“ vor allem das laute Jubeln des Publikums. Auch wenn am Ende Vitalis die Kür gewann, Publikumsliebling war Franziskus an diesem Abend allemal. 2014 gehörte er zu den Finalisten der Weltmeisterschaft der jungen Dressurpferde. Bei den Deutschen Meisterschaften 2018 und 2020 in Balve ritt Klimke den Vererber zu Platzierungen in der Kür sowie im Grand Prix und 2019 wurde das Paar in den Olympiakader Dressur berufen.

Cashmere – vom Waisenfohlen zum Vize-Champion
Und auch im vergangenen Jahr rührte eine ganz besondere Geschichte die Pferdewelt. Und zwar die vom Waisenfohlen Cashmere. Der gekörte Westfalen-Hengst war Finalist bei den fünfjährigen Springpferden. Aber bis zum Finale der Bundeschampionate hatte Cashmere schon eine bewegte Lebensgeschichte hinter sich. Er verlor nicht einmal 24 Stunden nach seiner Geburt seine Mutter und wurde zum Waisenfohlen. „Er wollte einfach leben“, sagte Züchterin Sandra Schürner. Er wurde von der Stute aus der Nachbarbox angenommen und mit aufgezogen und so bekam er eine zweite Chance. „Er hat immer in seinem Leben alles richtig gemacht und immer gekämpft für uns.“ Sporttest, Körung und Bundeschampionat – In den ersten fünf Jahren seines Lebens hat der braune Hengst schon einige Stationen erfolgreich absolviert. Zuletzt wurde es dann sogar der Vize-Titel beim Bundeschampionat der fünfjähren Springpferde unter Marco Kutscher 2020. Mit einer Wertnote von 9,4 wurde er in der ersten Qualifikation bereits an den Bildschirmen bewundert, mit einer 8,9 beendete er die zweite Qualifikation und im Finale gab es die glatte 9,0 für den Hengst mit dem Kämpferherz. „Das war ein unglaubliches Gefühl, wir haben uns riesig gefreut“, so seine Züchterin Sandra Schürner.

Tickets 2021 – nur im Vorverkauf
In diesem Jahr präsentieren sich die Stars von Morgen vom 11. bis 15. August in Warendorf. Tickets für das Bundeschampionat 2021 sind nur online und im Vorverkauf erhältlich. Außerdem ist die Zahl der Zuschauer pro Tag begrenzt. Schnell sein, lohnt sich also. Tickets gibt es unter www.pferd-aktuell.de/spitzensport/bundeschampionate/tickets 
FN/Sina Stahlsmeier

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