23. September 2021

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Paralympics Tokio: Bronze für Regine Mispelkamp – Erste Medaille für deutsche Para-Dressurreiter in der Kür

LOGO Paralympics 2021

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Tokio/JPN (fn-press). Die Paralympischen Spiele in Tokio sind für die deutschen Para-Dressurreiter*innen mit einer Bronzemedaille in der Kür zu Ende gegangen. Am fünften Tag der Wettkämpfe im Baji Koen Equestrian Park sicherten sich Regine Mispelkamp (Geldern) und ihr Highlander Delight’s in der Kür (Grade V) einen Platz auf dem Podium. Heidemarie Dresing (Rheda-Wiedenbrück) stellte mit La Boum ihr Potenzial erneut unter Beweis und wurde wie in der Einzelwertung auch in der Kür (Grade II) Vierte. Saskia Deutz (Sehlen) beendete mit Soyala ihren gelungenen Championatseinstand mit Platz sechs in der Kür (Grade IV).

Es ist die erste Medaille für die deutschen Para-Dressurreiter in Tokio. Nach Platz vier in der Einzelwertung sichert sich Regine Mispelkamp dank einer ausdrucksstarken Kür mit ihrem Dunkelfuchs Highlander Delight’s die Bronzemedaille. Ihr Ergebnis: 76,82 Prozent. „Lights hat sich so toll angefühlt und die Musik passte auf die Sekunde“, schwärmte Regine Mispelkamp nach ihrem Ritt. Dennoch gab es eine Schrecksekunde: „Nach dem starken Galopp bin ich durchpariert zum Trab und zu einer Volte abgebogen, da galoppierte er plötzlich los, war aber sofort wieder bei mir. Zum Glück, denn so klappte die Traversale einwandfrei und die zählt ja doppelt.“ Dass es mit einer Medaille geklappt hat, wurde ihr aber erst später bewusst. „Ich war gerade im Interview, da kam unser Bundestrainer Bernhard Fliegl und hat es mir gesagt. Wir sind uns erst einmal um den Hals gefallen und haben ein bisschen geweint“, sagte die 50-jährige Pferdewirtschaftsmeisterin, die an Multipler Sklerose erkrankt ist. Es ist die dritte Bronzemedaille für die zweifache Deutsche Meisterin in Grade V nach Einzel- und Team-Bronze bei den WM 2018 in Tryon.

Die Belgierin Michele George gewinnt mit Best of 8 und einer Wertung von 80,59 Prozent die Goldmedaille. Die 47-Jährige, die im linken Bein gehandicapt ist, ist bereits seit 2009 im Para-Dressursport erfolgreich. Ihren bislang größten Erfolg – Doppelgold bei den Paralympics in London – feierte sie im Sattel des Württembergers Rainman. Ihr Tokio-Pferd, die elfjährige Hannoveraner Stute Best of 8, fand sie im Stall von Isabell Werth. 2019 gewann sie mit ihr Doppel-Bronze bei den EM in Rotterdam. Frank Hosmar aus den Niederlanden wird mit dem bewährten, 16-jährigen Alphaville mit 80,24 Prozent Zweiter. Bereits 2013 gewannen die beiden mit zweifachem EM-Silber ihre ersten Medaillen. In Tokio fügte das Paar seiner beachtlichen Edelmetall-Sammlung Bronze in der Einzelwertung und Kür-Silber hinzu. Frank Hosmar ist nach einem Sturz von einer Leiter in der Funktion der rechten Hand stark eingeschränkt. 

Grade II: Erneut Platz vier für Heidemarie Dresing
In Tokio feierten die Briten ihr Comeback an der Weltspitze – allerdings musste auch die dominierende Nation im Para-Reitsport feststellen, dass die Konkurrenz in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen hat. Einen wesentlichen Beitrag zum britischen Erfolg leistete einmal mehr der Brite Lee Pearson. Der 47-Jährige, der mit einer Gelenkssteife zur Welt kam, sicherte sich in der Kür in Grade II seine insgesamt 14. Goldmedaille. Und nicht nur das, es war auch sein viertes Triple-Gold nach den Paralympics in Sydney (2000), Athen (2004) und Hongkong (2008). Partner des Erfolgs in Tokio war der zehnjährige braune Wallach Breezer aus eigener Zucht. Pearson ging nach seinem Sieg in der Einzelwertung als Favorit in die Kür und wurde den Erwartungen gerecht. 82,447 Prozent vergaben die Richter für seine Vorstellung. Dicht auf den Fersen war Pearson allerdings der Österreicher Pepo Puch, der seinen 13-jährigen Hannoveraner Sailor’s Blue (v. Swarovski) zu Klängen von Gershwins Rhapsodie in Blue vorstellte und dafür mit 81,007 Prozent erzielte. Wie Pearson gehört auch Pepo Puch, der vor seinem Reitunfall 2008 ein erfolgreicher Vielseitigkeitsreiter und Olympiateilnehmer in Athen war, zu den erfahrenen Championatsteilnehmern im Para-Sport. Bereits 2011 gewann er Einzel-Gold bei den EM in Moorsele und reiste als Titelverteidiger nach Tokio. Nach der Kür verlässt er Japan mit zwei Silbermedaillen. Die Bronzemedaille in der Kür ging an Paralympics-Neuling Georgia Wilson. Die 25-jährige Britin, die an Zerebralparese leidet, erzielte mit ihrer Fuchsstute Sakura 76,754 Prozent und verdrängte als letzte Starterin die bis dahin drittplatzierte Heidemarie Dresing und La Boum aus den Medaillenrängen.

Diese hatte ihre Hannoveraner Fuchsstute (v. Londontime) zu Klängen von Pretty Woman im Trab und Musik aus dem Film „La Boum“ vorgestellt und hatte 74,867 Prozent erzielt. „Ein dritter Platz wäre durchaus möglich gewesen. Aber wenn man das nicht bringen kann, was man eigentlich drauf hat, wird man halt Vierter“, sagte Heidemarie Dresing nach ihrem Ritt. „Sie hat es mir heute aber auch nicht leicht gemacht. Auf dem Vorbereitungsplatz ist sie einmal richtig im Galopp losgeschossen. Sie ist sehr geräuschempfindlich und hat sich erschrocken, als die Engländer lautstark ihr Pferd gelobt und abgeklatscht haben“, sagte sie. “Das Problem ist ja, dass wir in Grade II nur wenige Startmöglichkeiten haben, um solche Turniersituationen zu üben. Und hier ist die Atmosphäre mit den leeren Rängen natürlich noch eine ganz besondere. Auf jeden Fall haben wir hier sehr viel Erfahrung sammeln können. Und jetzt geht es eben weiter.“

Grade IV: Platz sechs für Championatsneuling Saskia Deutz
Die ersten Medaillen wurden in Grade IV vergeben. Unangefochtene Nummer eins in dieser Klasse ist und bleibt die 34-jährige Niederländerin Sanne Voets. Die mit einer Schwäche in den Gelenken und Beinen geborene Reiterin gewann mit ihrem 13-jährigen Vivaldi-Sohn Demantur in Tokio auch die Kür. Mit einer harmonischen und technisch anspruchsvollen Runde zu Klängen der niederländischen Gruppe Haevn erzielte die Titelverteidigerin 82,085 Prozent. Wie schon bei den EM 2017 und 2019 gewann die 61-jährige Schwedin Louise Jakobsson Etzer, die seit einem Unfall an Gleichgewichtsstörungen und dem Verlust der motorischen Fähigkeiten auf ihrer linken Seite leidet, die Silbermedaille. Im Sattel des zehnjährigen Goldstrike B.J erzielte sie 75,935 Prozent. Die Belgierin Manon Claeys, Einzel-Vizeeuropameisterin 2017 und 2019, verwandelte ihren ersten Start bei Paralympics in zwei Medaillen. Mit ihrem mit sehr guten Grundgangarten ausgestatteten Oldenburger San Dior (v. Stedinger) erzielte sie ein Gesamtergebnis von 75,680 Prozent und sicherte sich damit wie schon in der Einzelwertung Bronze. Etwas enttäuscht sein dürfte Rodolpho Riskalla. Der Brasilianer, der in Hagen a.T.W. trainiert und in Paris für das Modehaus Dior arbeitet, gehörte zu den am höchsten gehandelten Medaillenanwärtern. Er ging mit seinem 18-jährigen Hannoveraner Hengst Don Henrico (v. Don Frederico) als Letzter an den Start, kam mit seiner Kür jedoch nicht über 73,895 Prozent hinaus.

Damit landete er auf Platz fünf vor Saskia Deutz, die ihre Championats-Premiere mit einem sechsten Platz beendet. Anfänglich noch etwas durch die Musik irritiert, entspannte sich ihre Hannoveraner Stute Soyala zunehmend im weiteren Verlauf der Aufgabe und glänzte vor allem in der Galopptour zur Musik Ain’t Nobody von Chaka Khan und mit fliegenden Wechseln als “Bonus”-Lektion. Ihr Ergebnis: 73,485 Prozent. „Es ist ein schmaler Grat, eine positive Grundspannung im Pferd zu haben und dass diese nicht umschlägt. Vielleicht habe ich ein bisschen zu viel gewollt und dann hat sie sich etwas gesucht, woran sie sich störte – ein Schatten am Boden und eine Fliege“, sagte die 48-jährige Ärztin von der Insel Rügen nach ihrem Ritt. „Ich habe zum Glück schnell zur Musik zurückgefunden, sie war dann schön vor meinen Hilfen und hatte viel Ausdruck. Aber es ist schon ärgerlich, wenn man sich hinterher überlegt, was ohne die Fehler möglich gewesen wäre. Jetzt gibt es nur eine Devise: weitermachen!“

Ohne deutsche Beteiligung sind die Küren in den Grades I und III zu Ende gegangen. Hier das Ergebnis in der Übersicht: 

Grade I
Gold: Roxanne Trunnell (USA) mit Dolton, 86,927
Silber: Rihards Snikus (LAT) mit King of the Dance, 82,087
Bronze: Sara Morganti (ITA) mit Royal Delight, 81,100

Grade III
Gold: Tobias Thorning Jorgensen( (DEN) mit Jolene Hill, 84,347
Silber: Natasha Baker (GBR) mit Keystone Dawn Chorus, 77,614
Bronze: Ann Cathrin Lubbe (NOR) mit La Costa Majlund, 76,447

Informationen unter www.pferd-aktuell.de/tokio2021/paralympics und www.paralympic.org.

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