23. September 2021

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EM Springen: Deutsche Springreiter auf Medaillenkurs – Thieme und Kukuk mit fehlerfreien Runden

Christian Kukuk Und Mumbai Foto Sportfoto Lafrentz

Christian Kukuk Und Mumbai Foto Sportfoto Lafrentz

Riesenbeck (fn-press). Die deutschen Springreiter haben ihre Medaillenchancen bei der Europameisterschaft in Riesenbeck dank einer starken Teamleistung gewahrt. André Thieme und DSP Chakaria sowie Christian Kukuk und Mumbai gelangen fehlerfreie Runden. Marcus Ehning und Stargold sowie David Will und C-Vier unterlief jeweils lediglich ein Fehler. Somit liegt Deutschland in der Mannschaftswertung weiterhin auf Platz zwei hinter der Schweiz und vor Schweden. In der Einzelwertung belegen Christian Kukuk und Mumbai ebenfalls den zweiten Rang. Es führt im Zwischenranking der Schweizer Martin Fuchs. Das Mannschaftsfinale steht am Freitag auf dem Programm. Am Sonntag werden die Einzelmedaillen vergeben.

Gemischte Gefühle herrschten am Ende des zweiten EM-Tages bei den deutschen Springreitern. Während die Freude über die beiden Nullrunden bei André Thieme (Plau am See) und Christian Kukuk (Riesenbeck) verständlicherweise groß war, haderten Marcus Ehning (Borken) und David Will (Marburg) mit ihren Strafpunkten bzw. deren Entstehungsgeschichte. Zufrieden durften sie dennoch am Ende alle sein, denn, wie Bundestrainer Otto Becker sagte: „Das war wieder eine tolle Teamleistung, darüber bin ich heute erstmal froh. Die Fehler waren schade. Aber die Stimmung im Team ist sehr gut und wir sind natürlich froh, dass wir nach wie vor vorne dabei sind.“ Die Leistungen seiner Reiter und Pferde analysierte Becker folgendermaßen: „André und Chakaria waren echt souverän. Bei Marcus haben wir nach dem Missgeschick gesehen, welche Erfahrung er hat und die hilft auf solchen Championaten. Wie er das nach Hause geritten hat – Hut ab. Christians Runde war sensationell und bei David war es einfach schade mit dem Fehler zum Schluss. Das Pferd ist wieder super gesprungen. Wenn man die Schlussreiter der anderen Mannschaften sieht, Steve Guerdat und Peder Fredricson, wie viele Championate die geritten und Medaillen die gewonnen haben, dann macht David das als Debütant einfach sensationell.“

Den Auftakt für das deutsche Team machte erneut André Thieme mit DSP Chakaria. Der Mecklenburger durfte sich über besondere Unterstützung von den Rängen freuen. 15 Mitglieder seiner Altherren-Fußballmannschaft, mit der er wöchentlich trainiert und an turnierfreien Wochenende auch spielt, reisten eigens für die EM nach Riesenbeck, um ihrem Spielmacher die Daumen zu drücken. Und das schien zu helfen: Das Paar lieferte eine souveräne Nullrunde. „Es ist ein sehr gutes Gefühl, auf so einem Großevent so eine Nullrunde zu reiten“, sagte André Thieme. „Ich weiß, dass mit meinem Pferd auch mehrere Nullrunden hintereinander möglich sind, das wird uns auch zugetraut und deshalb darf ich hier auch reiten. In den nächsten Tagen ist also noch alles möglich.“ Mit ihrer fehlerfreien Runde kämpften sich Thieme und Chakaria auf Platz sieben in der Einzelwertung vor.

Kukuk und Ehning tauschten diesmal die Startpositionen und so betraten Marcus Ehning und sein zehnjähriger Oldenburger Stargold als zweites deutsches Paar den Parcours. Die ersten beiden Sprünge nahmen sie sicher, dann passierte das Missgeschick: Es schien, als wolle Stargold zu früh abspringen, machte dann jedoch noch einen kleinen Galoppsprung mehr. „Zum Glück“, sagte Ehning. „Ich sah mich schon am Boden. Ich weiß selber noch nicht so wirklich, was passiert ist, ich muss es mir nochmal auf Video ansehen. Mein Pferd ist extrem vorsichtig und auch schlau, ein echter Kämpfer. Ich bin ja danach fast im Schritt in die Dreifache reingeritten, wie er das gemacht hat und dann auch weitergemacht hat, da muss ich ihm ein Kompliment machen. Ärgerlich war am Ende der Zeitfehler, das ist normalerweise nicht unser Problem.“ So kam das Paar mit fünf Strafpunkten ins Ziel. Draußen auf dem Abreiteplatz machte Ehning noch zwei Sprünge, um Stargold die Ruhe und das Vertrauen wiederzugeben.

Von größtem Vertrauen zwischen Pferd und Reiter war die Runde von Christian Kukuk und Mumbai geprägt. Kein Zögern, kein Klappern war zu sehen oder zu hören. „Der Parcours hat sich super angefühlt. Ohne es nochmal gesehen zu haben, war das Gefühl die ganze Runde total sicher. Da haben wir heute nahtlos an gestern angeknüpft. Er hat mir von Sprung eins bis 14 das Gefühl gegeben, dass er aufmerksam war, dass er wieder wie gestern auf mich gehört hat und mich hat reiten lassen“, sagte Kukuk und kam aus dem Schwärmen über seinen neunjährigen Schimmelhengst kaum heraus: „Er ist einfach unglaublich. Wenn die Abstimmung so zwischen uns funktioniert, dann haben wir immer die besten Runden. Im Moment scheint das wirklich gut zu funktionieren. Und das Schöne ist: Wenn Mumbai und ich eine gute Performance abliefern, dann freuen sich alle, und das freut mich auch. Diese Emotionen sind jetzt wieder da, weil die Menschen wieder dabei sind.“ Nach den beiden Nullrunden an Tag eins uns zwei hat Kukuk auch beste Aussichten auf eine Einzelmedaille. Der Abstand zum führenden Schweizer Martin Fuchs beträgt weniger als einen Punkt. Aber Kukuks Fokus liegt zunächst auf dem Team: „Zum Mannschaftsergebnis haben wir einen wirklich guten Beitrag geleistet, das ist das Wichtigste. Dass es in der Einzel-Platzierung jetzt so gut aussieht, ist natürlich das Sahnehäubchen.“

Das Klassement angeführt hatten nach Tag eins noch David Will und C-Vier. Lange Zeit sah es so auch, als würde sich daran nichts ändern. Bis zum vorletzten Sprung hielten sie sich ohne einen Fehler. Dann fiel eine Stange. „Schade!“, sagte David Will. „Vielleicht war das Problem, dass ich mit meinem Kopf schon ein bisschen beim letzten Hindernis war, um mich darauf nochmal richtig zu konzentrieren. Das war wirklich ein ärgerlicher, leichter Fehler. Ich bin eigentlich gut in die Kombination reingekommen.“ Doch noch ist auch für ihn und seinen Holsteiner Wallach nichts verloren. „Heute und morgen ist das Team im Fokus. Auf Rang zwei haben wir noch gute Karten. Ich fand, dass meine Teamkollegen alle drei super Runden gedreht haben, auch Marcus, der das kleine Missgeschick hatte. Er hat sich aber sofort richtig gut gefangen und ist null nach Hause geritten. Da ist morgen auf jeden Fall auch noch eine Nullrunde drin.“

Das Mannschaftsranking nach sieht nach dem ersten Umlauf des Nationenpreises wie folgt aus:
1. Schweiz mit 5.47 Strafpunkten
2. Deutschland 8.77
3. Schweden 11.59
4. Belgien 17.34

Der zweite Teil des Nationenpreises, in dem die besten zehn Teams antreten, folgt am Freitag ab 13 Uhr. Das ZDF Fernsehen überträgt ab 15 Uhr. Alle Informationen über die EM in Riesenbeck, darunter Starterlisten, Ergebnisse und TV-Zeiten, gibt es hier: https://www.pferd-aktuell.de/em2021/springen-in-riesenbeck

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